Predigt zum Ostersonntag (20. April 2025)

Shownotes

Predigt des Apostolischen Administrators Josef Grünwidl zum Ostersonntag, am 20. April 2025.

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00:00:01: Liebe Schwestern und Brüder, lieber Domkor, liebe Dommusik, Solistenquartett, Domorganist, was wäre Ostern ohne Musik?

00:00:12: Beginnend mit der Osternacht wird uns heute und auch in den kommenden Wochen immer wieder die Osterbotschaft, die Botschaft von der Auferstehung des Herrn verkündet.

00:00:24: Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchten auch die Evangelien.

00:00:29: Dieses Ereignis, das unsere Vorstellungskraft und unsere Weltsicht sprengt und übersteigt.

00:00:36: Der gekreuzigte lebt.

00:00:39: Gott hat ihn von den Toten auferweckt.

00:00:42: Die Oster-Evangelien sind nicht deckungsgleich.

00:00:47: In manchen Punkten stimmen sie nicht überein.

00:00:50: Das bringt für mich vor allem eines zum Ausdruck.

00:00:54: Der Auferstandene ist schlicht und ergreifend.

00:00:58: nicht zu fassen, auch nicht in Worte.

00:01:04: Zwei berühmte Ostererzählungen aus dem Johannes Evangelium hat uns der Tierkonsueben verkündet.

00:01:11: Mit Maria von Magdala, der ersten Zeug in der Auferstehung und mit den beiden Aposteln, die wie in einem Wettlauf sich auf den Weg zum Grab Jesu machen, schildert das Johannes Evangelium, was es braucht.

00:01:27: damit die Kirche österlich lebendig bleibt.

00:01:32: Ein paar Hinweise auf solche österlichen Bausteine unserer Kirche.

00:01:39: Es beginnt schon mit der Zeitangabe.

00:01:42: Am ersten Tag der Woche in aller Frühe, als es noch dunkel war, kam Maria von Magdala zum Grab.

00:01:51: Der erste Tag der Woche ein Hinweis auf den Sonntag.

00:01:57: Ich möchte daran erinnern, wir Christen feiern ja nicht das Wochenende, sondern für uns in der christlichen Tradition beginnt jede Woche mit dem Sonntag.

00:02:07: Das heißt, bevor ich etwas arbeite und leiste, beschenkt mich Gott mit einem freien Tag.

00:02:17: Und erinnert mich daran, das Wesentliche im Leben kann ich nicht kaufen.

00:02:23: und mir erarbeiten, es wird mir geschenkt.

00:02:27: Der erste Tag der Woche, der Sonntag.

00:02:31: Die Auferstehung Jesu am ersten Tag der Woche, das war sozusagen der Ur-Ostersonntag.

00:02:38: Und alle folgenden Sonntage sind wöchentlich wiederkehrende kleine Osterfeste.

00:02:45: Und, liebe Schwestern und Brüder, Hand aufs Herz, was bräuchten wir in unserer Zeit Notwendiger als immer wieder eine wöchentliche Auffrischung der Osterhoffnung, eine regelmäßige österliche Immunisierung gegen Resignation und Frust und Hass und Gleichgültigkeit.

00:03:10: Die sondtäglichen Begegnungen mit dem Auferstandenen in seinem Wort, in der Eucharistie und auch so wie jetzt in der Gemeinschaft unserer Schwestern und Brüder, die halten die Osterhoffnung und den Osterglauben in der Kirche lebendig.

00:03:27: Halten wir den Sonntag und der Sonntag wird uns halten.

00:03:34: Der erste Tag der Woche, der Sonntag ein wichtiger Baustein für die österliche Kirche.

00:03:43: Ein zweiter Gedanke.

00:03:46: Was wäre Ostern ohne das Zeugnis der Frauen?

00:03:51: Am Ostermorgen hat Maria von Magdala die verschreckten und verschlafenen Apostel informiert und mobilisiert.

00:04:03: Die Tatsache, dass am Ostermorgen an einer so entscheidenden für das Überleben der Kirche geradezu existenziell notwendigen Schnittstelle, nicht Männer, sondern Frauen da waren, gibt mir zu denken.

00:04:23: Auch schon unter dem Kreuz haben außer Johannes alle anderen Apostel durch Abwesenheit geklänzt, aber die Frauen waren da.

00:04:36: Sonst werden sie oft eher so als Randfiguren der Jesusbewegung abgetan.

00:04:42: Aber in den entscheidenden Momenten beim Tod des Herrn am Kreuz und bei der Auferstehung rücken die Frauen ins Zentrum.

00:04:52: Maria von Magdala, die erste Zeug in der Auferstehung, informiert und bewegt, mobilisiert die Apostel.

00:05:02: Und ich denke auch die Nachfolger der Apostel in unserer Zeit und alle kirchlichen Entscheidungsträger sind gut beraten, wenn sie sich auch von Frauen informieren und mobilisieren lassen und das Zeugnis der Frauen ernst nehmen.

00:05:20: Ich frage mich auch, könnte es nicht sein, dass gerade Frauen in der Verkündigung, in den Entscheidungsgremien und auch auf Leitungsebene unserer Kirche neue österliche Impulse einbringen.

00:05:36: Und ist es klug, darauf zu verzichten?

00:05:43: Den dritten Baustein für die österliche Kirche finde ich im berühmten Wettlauf der beiden Jünger zum Grab.

00:05:51: Die kirchliche Tradition sieht in Petrus den Vertreter für Ampt und Hierarchie Und im Lieblingsjünger, den Vertreter der Liebe.

00:06:03: Er kommt als Erster zum Grab.

00:06:07: Der Lieblingsjünger ist schneller.

00:06:11: Keine Frage, liebe Schwestern und Brüder, Ämter, Strukturen und Hierarchien unserer Kirche sind wichtig.

00:06:18: Aber erst und zuerst und vor allem durch die gelebte Liebe wird die Osterbotschaft, die wir als Kirche verkünden, glaubwürdig und wirksam.

00:06:30: Das zeigt auch der Auferstandene ganz deutlich.

00:06:34: Bei der Begegnung im Garten mit Maria von Magdala hält er ihr keinen Vortrag über Tod und Auferstehung.

00:06:41: Da geht es nicht um hohe Ostertheologie, sondern ganz schlicht und liebevoll.

00:06:47: Wendet er sich Maria von Magdala zu und sagt, Frau, warum weinst du?

00:06:54: Erhört ihr zu, ertröstet sie und nennt sie beim Namen.

00:06:59: Am besten und glaubwürdig verkünden wir die Botschaft von der Auferstehung als Kirche und auch als Einzelne immer dann, wenn wir die Liebe leben.

00:07:13: Der Sonntag als wöchentliches Osterfest, das Zeugnis der Frauen und der Primat der Vorrang der Liebe.

00:07:22: Drei wichtige Bausteine, für eine österliche Kirche.

00:07:28: Und noch ein Hinweis, der mit der Paukenmesse von Josef Hayden, die wir heute hören, zusammenhängt.

00:07:37: Hayden selbst wählte für diese Komposition den Namen Missa in Temporrebelli, eine Messe für die Zeit des Krieges.

00:07:50: Damals Ende des achzehnten Jahrhunderts verbreiteten napoleonische Truppen im ersten Koalitionskrieg Angst und Schrecken.

00:08:01: Und Kriege, Gewalt, Leid und Tod verdunkeln auch in unserer Zeit das Leben unzähliger Menschen.

00:08:11: Heiden fordert in der Paukenmesse mit allen ihm zur verfügungstehenden musikalischen Mitteln vehement den Frieden.

00:08:21: Die Bitte um Erbarmen, um Erhörung war im Gloria ganz eindringlich zu hören.

00:08:29: Und noch deutlicher wird dieser Ruf um Hilfe im Agnus D., das wir dann während der Kommunionsspendung hören werden.

00:08:38: Die leisen Paukenschläge erinnern an den Kriegslernen, der in der Ferne schon zu hören ist und näher rückt.

00:08:47: Aber dann Ganz laut und eindringlich und leise, flehend, zuversichtlich oder verzweifelt, immer wieder, immer neu, erklingt die Bitte des Kurs Dona Nobis Pazem.

00:09:01: Gib uns den Frieden.

00:09:03: Und wenn man meint, jetzt ist es endlich soweit, jetzt haben wir Frieden.

00:09:08: Wieder ein musikalischer Trugschluss und noch einmal ein Anlauf.

00:09:13: Diese wiederholte Bitte um Frieden.

00:09:16: bringt für mich vor allem eines zum Ausdruck.

00:09:21: Österreich Leben heißt einen langen Atemhaben und nicht aufgeben.

00:09:29: Mitten im Krieg glauben wir an den Frieden, mitten in der Dunkelheit zünden wir ein Osterlicht der Hoffnung an.

00:09:38: Mitten im Tod feiern wir das Leben.

00:09:43: Die Messe für die Zeit des Krieges ist leider immer aktuell.

00:09:50: Mit der Auferstehung des Herrn wurden ja Kriege, Gewalt und Leid und Tod nicht einfach abgeschafft.

00:09:58: Eines aber sagt uns der Auferstandene ganz deutlich und darauf verlassen wir uns.

00:10:05: Krieg und Gewalt, Leid und Tod haben keine Zukunft.

00:10:13: Nur was aus Liebe geschieht.

00:10:15: Nur Dialogbereitschaft, Solidarität und der Wille zum Miteinander hat Zukunft und gestaltet Zukunft.

00:10:25: Eine gute Zukunft für unsere Welt.

00:10:28: Das ist die Botschaft des Osterlammes.

00:10:33: Liebe, Hingabe, Einsatz bis zum Letzten.

00:10:38: Das verändert die Welt zum Guten.

00:10:42: Diese Osterhoffnung, liebe Schwestern und Brüder, klingt jetzt im Credo an.

00:10:47: Und ich erinnere daran, was wir manchmal so Gedankenlos sprechen.

00:10:52: Die letzten Worte im christlichen Glaubensbekenntnis heißen nicht Tod und Grab, sondern Leben.

00:11:00: Ewiges Leben.

00:11:02: Das Leben der künftigen Welt.

00:11:04: Das ist die Zukunft, die Gott uns eröffnet und verspricht in der Auferstehung seines Sohnes.

00:11:12: Und diese österliche Zukunft gibt uns die Kraft, die Realität, das hier und heute, das oft auch mühsam ist, nicht nur auszuhalten und zu ertragen, sondern es jetzt schon österlich mitgestalten und umgestalten.

00:11:42: Dazu, liebe Schwestern und Brüder, sagen wir heute in österlicher Freude.

00:11:48: Amen.

00:11:49: Halleluja.

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