Predigt zum Gründonnerstag (17. April 2025)

Shownotes

Predigt des Apostolischen Administrators Josef Grünwidl zum Gründonnerstag, am 17. April 2025.

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00:00:00: Liebe Schwestern und Brüder, wie in jedem anderen festlichen Gottesdienst wird uns auch heute am Gründonnerstag die Botschaft des Glaubens als Dreiklang verkündet.

00:00:14: Alterbund, Apostelbrief und Evangelium.

00:00:19: Und wie in einem Dreiklang jeder Ton wichtig ist, so kommt auch das Geheimnis des Gründonnerstags erst in diesem Dreiklang.

00:00:29: voll und ganz zum Klingen.

00:00:33: Der Grundton des letzten Abendmahls, auf dem alles aufbaut, weist uns auf den jüdischen Ursprung des heutigen Festtages hin.

00:00:44: Daran hat ja auch die erste Lesung erinnert.

00:00:47: Im Buch Exodus wird sehr ausführlich geschildert und angeordnet, wie man das Paschalam braten, zerteilen und zubereiten muss.

00:00:59: dass man es nicht gemütlich, sondern sehr hastig essen muss.

00:01:05: Und für manche Ohren mag vielleicht auch das Blut, mit dem die Türpfosten bestrichen werden, etwas befremdlich geklungen haben.

00:01:14: Doch was damit gemeint ist, verstehen wir hoffentlich.

00:01:19: Das jährliche Passcherfest erinnert an die Befreiung der Israeliten aus dem Sklavenhaus Ägypten, an den hastigen Aufbruch mitten in der Nacht aus der Sklaverei in die Freiheit.

00:01:36: Das jüdische Passcher, das Pessachfest, das viele jüdische Familien jetzt gerade in dieser Woche miteinander feiern, ist für alle Generationen Israels ewige Satzung.

00:01:50: und für uns der Grundton im Dreiklang, auf dem das letzte Abendmahl und die Eucharistiefeier aufbauen.

00:02:01: Schauen wir auf die zweite Lesung.

00:02:04: Das älteste biblische Zeugnis vom Abendmahl Jesu finden wir bei Paulus.

00:02:10: Er bezeugt schon im ersten Korintherbrief, der lange vor den Evangelien geschrieben wurde, dass die Kirche von Anfang an den letzten Willen Jesu erfüllt und respektiert hat.

00:02:25: Tut dies zu meinem Gedächtnis.

00:02:29: Und hier klingt der zweite und entscheidende Ton dieses Dreiklangs am Gründonnerstag an.

00:02:36: Denn Jesus feiert im Abendmahl mit seinen Jüngern nicht einfach das jüdische Pascherfest zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten, sondern er feiert Sein eigenes Passcher.

00:02:51: Wenn er für die Jünger das Brot bricht und ihnen den Becher mit Wein reicht, dann nimmt er seine Hingabe und seinen Tod am Kreuz voraus.

00:03:01: Nehmt und esst, das ist mein Leib.

00:03:05: Nehmt und trinkt, das ist mein Blut.

00:03:09: Der Empfang der Eucharistie befreit uns nicht mehr aus dem Sklavenhaus Ägypten, aber aus dem Gefängnis.

00:03:17: von Schuld und Sünde und das Blut des Osterlammes am Pfosten des Kreuzes rettet vor dem ewigen Tod.

00:03:31: Und schließlich der dritte Schrifttext.

00:03:35: Wo die anderen Evangelien vom letzten Abendmahl erzählen, finden wir in Johannes Evangelium den Bericht von der Fußwaschung.

00:03:45: Damit zeigt das Johannes Evangelium Eucharistie und Caritas, die heilige Kommunion und die gelebte Liebe gehören zusammen.

00:03:57: Ein Beispiel habe ich euch gegeben, sagt Jesus, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

00:04:06: Liebe Schwestern und Brüder, wir reden oft von den sogenannten praktizierenden Christen.

00:04:13: Und mit den praktizierenden Christen meinen wir meistens die, die am Sonntag und am Feiertag in die Kirche gehen und auch die heilige Kommunion empfangen.

00:04:26: Erst mit dem dritten Ton der Fußwaschung klingt dieser eucharistische Dreiklang vollständig und harmonisch.

00:04:36: Erst durch die gelebte Eucharistie, erst durch Liebe und Hilfsbereitschaft, die wir einander schenken, wird unser Christsein und unsere Kommuniongemeinschaft mit Jesus Christus wirksam und glaubwürdig.

00:04:53: Nach dem Mal hat Jesus das schöne Obergewand abgelegt.

00:04:58: Er hat sich niedergekniet und seinen Jüngern die Füße gewaschen.

00:05:03: Dass Christus sein Obergewand ablegt, das erleben wir in jeder Euch Christi Feier.

00:05:11: In einem kleinen Stück Brot, in einem Schluck Wein, ist der Auferstandene gegenwärtig.

00:05:20: bescheidener, schlichter, unspektakulärer geht es nicht.

00:05:28: Zur gelebten Kommuniongemeinschaft mit Christus gehört also auch, dass wir seinen Beispiel folgen und auch immer wieder unser Obergewand ablegen.

00:05:40: Unseren Stolz, die Vorurteile, den Egoismus, die Bequemlichkeit und dass wir uns auch so wie Jesus immer wieder mit einem schlichten, einfachen Leinentuch begleiten, dass wir arm werden, im Urteilen und Verurteilen, arm in unserer Selbstüberschätzung und in unserem Größen waren.

00:06:08: Fußwaschung statt Kopfwäsche, Empathie, statt Rücksichtslosigkeit, Solidarität mit den Armen und Schwachen statt Gleichgültigkeit.

00:06:21: So zeigt sich die gelebte Kommunion, die gelebte Gemeinschaft mit Jesus Christus.

00:06:30: Der Eucharistische Dreiklang, Eucharistie feiern, Eucharistie empfangen und Eucharistie leben.

00:06:40: Dieser Dreiklang ist das Lebensprinzip der Kirche.

00:06:48: Ich habe den Verdacht, dass wir als Kirche immer dann unglaubwürdig sind, wenn dieser Dreiklang nicht ganz sauber und reinglingt.

00:07:02: Und vielleicht geht's Ihnen auch so, mir geht's so, wenn ich auf mein Christseinschaue, wenn das Unrund läuft, wenn es da Dissonanzen gibt.

00:07:13: dann meistens aus diesem Grund, dass ein Ton in diesem eucharistischen Dreiklang fehlt, kaum hörbar ist oder falsch, verstimmt klingt.

00:07:29: Ich schließe mit einem Gedicht des Priesters und Dichters Andreas Knapp.

00:07:35: Es trägt den Titel Grün Donnerstag und hat auch zu tun mit dem Mysterium der Wandlung.

00:07:45: Er füllt Wasser in die Krüge zum Waschen der Füße.

00:07:51: Der Herr wird zum Knecht, die Knechte zu freunden, das einfache Brot zur Leibspeise, der Wein wird zu Blut und der Tod.

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