Predigt zur Chrisammesse (14. April 2025)

Shownotes

Predigt des Apostolischen Administrators Josef Grünwidl zur Chrisammesse, am 14. April 2025.

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00:00:00: Liebe Schwestern und Brüder, liebe Firmenkandidatinnen und Firmenkandidaten, lieber Weihbischof Franz und lieber Weihbischof Stefan, liebe Mitbrüder im Diakonalen und Priesterlichen Dienst.

00:00:16: Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.

00:00:21: Bei diesem Satz des Evangeliums bin ich hängen geblieben.

00:00:25: Darum geht es ja jetzt, dass wir unsere Augen auf ihn richten und auf Christus schauen.

00:00:35: Tun wir das nicht immer, könnte man fragen?

00:00:39: Haben nicht so viele von uns berufsbedingt, täglich mit Gott, mit seinem Wort, mit den Sakramenten zu tun?

00:00:48: Und auch bei euch in der Vorbereitung auf die Firmung, denke ich mir ist das jetzt so, dass ihr doch in dieser Zeit vermutlich mehr als sonst euch mit Jesus und der Kirche mit Glaubensfragen und theologischen Themen beschäftigt.

00:01:06: Die Augen aller waren auf ihn gerichtet.

00:01:12: Mir kommt ein Wort von Heinrich Speemann in den Sinn.

00:01:16: Was wir im Auge haben, das prägt uns.

00:01:21: Dahinein werden wir verwandelt.

00:01:24: Und wir kommen, wohin wir schauen.

00:01:30: Wir kommen dorthin, wohin wir schauen.

00:01:33: Und worauf wir achten, was unser Interesse weckt, worauf wir schauen, das prägt und verwandelt uns.

00:01:44: Liebe Schwestern und Brüder, ich bitte um Verständnis, dass ich mich jetzt bei meinen Gedanken vor allem an meine Mitbrüder wende.

00:01:52: Die Krisermesse ist immer auch ein Fest für das Presbyterium, für die Priester unserer Ärztürzöse.

00:02:01: Wir werden heute auch unser Weih versprechen.

00:02:04: erneuern.

00:02:06: Darum also, liebe Mitbrüder, worauf schauen wir?

00:02:13: Wir sind heute eingeladen auf unsere Berufung zu schauen und auf unseren priesterlichen Dienst.

00:02:21: Für mich werden es heuer, sieben und dreißig Jahre, das Kardinal Franz König mich hier vor dem Altar im Steffans Dom geweiht.

00:02:33: und in das Presbyterium der Ärztürzöse Wien aufgenommen hat.

00:02:37: Rückblickend kann ich sagen, ja, es war ein Auf und Ab.

00:02:43: Es gab sehr viele schöne Erlebnisse, manchmal auch Schwierigkeiten.

00:02:48: Manches ist anders gelaufen, als ich es geplant habe und auch mein jetziger Dienst als Dürzesanadministrator.

00:02:57: Ich habe ihn mir nicht ausgesucht.

00:03:00: Doch ich kann aus tiefem Herzen sagen, es ist schön, Priester zu sein.

00:03:07: Ich bin mit meinen Stärken und meinen Schwächen trotz mancher Schwierigkeiten sehr gerne Priester hier in der Ärzte Jöse Wien.

00:03:17: Und das wünsche ich euch allen, dass der Blick auf eure Berufung, der Blick auf euren priesterlichen Dienst in euch Dankbarkeit und Freude auslöst.

00:03:31: Da wir bei der Krisermesse immer auch als Presbyterium versammelt sind, eine Bitte schauen wir heute nicht nur auf uns und unsere Berufung, schauen wir auch aufeinander.

00:03:45: Stärken wir einander.

00:03:47: Lassen wir Mitbrüder nicht allein.

00:03:52: Manche Weihjahrgänge kommen regelmäßig zusammen.

00:03:55: Im Decanat oder in einem kleinen Priesterkreis.

00:03:58: sich treffen, Zeit miteinander verbringen, Gemeinschaft leben und Erfahrungen austauschen, ist wichtig.

00:04:08: Manchmal tut es schon gut, wenn man zusammenkommt und Frust ableht.

00:04:13: Angeblich hat sogar das Schimpfen auf den Steffansplatz katatische Wirkung, habe ich mir sagen lassen.

00:04:21: Wichtig ist es aber auch, dass wir einander unsere positiven Erfahrungen und unsere Hoffnungserlebnisse erzählen und miteinander teilen.

00:04:32: Es tut weh, es tut weh, wenn Priestervereinsamen immer sonderlicher werden oder vielleicht auch in ein spirituelles Burnout kommen.

00:04:44: Ich danke allen, die sich um ihre Mitbrüder sorgen und die versuchen, Gemeinschaft zu leben.

00:04:51: und ich danke besonders auch dem Team der Priesterbegleitung in unserer Tierzöse.

00:04:59: Es geht um unser Inneres.

00:05:02: Das sollen wir schützen und pflegen, haben wir bei der Rekollektion gehört.

00:05:07: Stützen wir einander, auch in dieser geistlichen Aufgabe.

00:05:13: Wir kommen, wohin wir schauen, das heißt für mich ganz konkret, schauen wir auf unsere Berufung.

00:05:20: und auf unser inneres Feuer, das uns damals am Tag unserer Weihe geholfen hat und befähigt hat, Ja zu sagen zum priesterlichen Dienst.

00:05:31: und hüten wir dieses innere Feuer, denn ein Priester, der innerlich brennt, kann leuchten und hat Ausstrahlung.

00:05:46: Schauen wir im Presbyterium auch aufeinander, damit wir nicht Einzelkämpfer werden.

00:05:54: Ein zweiter Gedanke zur Frage, worauf schauen wir?

00:05:59: Natürlich schauen wir heute auf Jesus, der in der Synagoge von Nazareth das Wort Gottes nicht bloß vorgelesen, sondern es erfüllt hat.

00:06:11: Denn er hat den Armen das Evangelium verkündet, den Blinden das Augenlicht und den Zerschlagenen Freiheit geschenkt.

00:06:20: Er konnte zu Recht sagen, heute hat sich das Wort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.

00:06:28: Das Wort Gottes nicht nur verkünden, sondern erfüllen, da regt sich in mir Widerstand.

00:06:37: Ist das nicht eine Überforderung?

00:06:40: Ich bin doch nicht Christus.

00:06:44: Ja, ich denke, wir dürfen uns als Priester nicht überschätzen und wir haben keinen Grund, uns über andere zu erheben oder auf sie herabzuschauen.

00:06:54: Aber wir sollen auch nicht zu klein von uns, von unserem Auftrag und auch von unserer Verantwortung denken.

00:07:05: Darum möchte ich heute auch warnen vor der Mittelmäßigkeit.

00:07:11: vor einem priesterlichen Dienst nach Vorschrift, wie es schlechten Beamten nachgesagt wird.

00:07:19: Liebe Brüder, wir sind keine kirchlichen Beamten.

00:07:23: Wir sind Osterzeugen, Freunde und Mitarbeiter des Auferstandenen.

00:07:31: In der Weiterarbeit von den Ergebnissen vom Tag der Räte aus dem Vorjahr hat die Dürze Sandleitung unseren Auftrag als Kirche folgendermaßen definiert.

00:07:43: Wir bringen Menschen mit Jesus in Beziehung und das tun wir mit Exzellenz.

00:07:52: Wir bringen Menschen mit Jesus in Beziehung.

00:07:56: Und das tun wir nicht irgendwie halbherzig oder mittelmäßig, sondern mit Exzellenz.

00:08:03: Damit ist nicht die Zusammenarbeit mit dem neuen Erzbischof von Wien gemeint, den wir uns wünschen, sondern Exzellenz ist hier das Gegenteil von Mittelmäßigkeit.

00:08:16: Exzellenz hat nichts zu tun mit Leistungsdruck oder Perfektionismus, sondern dieser Begriff zielt für mich in Richtung Herz.

00:08:26: und Herz, Blut und Begeisterung.

00:08:31: Zu meinen Aufgaben gehört es jetzt immer wieder auch, dass ich Priesterbekrebnisse leiten darf.

00:08:38: Und für mich gibt es eigentlich für einen Priester kein schöneres Urteil, als wie wenn die Gemeinde sagt, wissen Sie, unser Pfarrer, das war oder das ist ein Priester mit Leib und Seele.

00:08:54: Das meint Exzellenz.

00:08:57: Priester sein mit Leib und Seele.

00:09:02: Worauf wir schauen, das prägt uns.

00:09:06: Im Blick auf Jesus und sein Leben erkennen wir unseren Auftrag.

00:09:10: Kirche ist dazu da, Menschen mit Jesus in Beziehung zu bringen.

00:09:16: Nicht irgendwie, sondern mit Herzblut und Begeisterung und Exzellenz.

00:09:23: Ich danke allen, die das Tag für Tag versuchen.

00:09:27: die nicht halbherzig oder irgendwie oder nebenbei ihren priesterlichen Dienst ausüben, sondern mit Leib und Seele.

00:09:36: Und ich ermuntere den einen oder anderen, der vielleicht heute da ist und der sich in eine Schonhaltung zurückgezogen hat, nehmen wir das heurige Osterfest zum Anlass, um wieder neu durchzustarten.

00:09:53: Noch ein dritter Gedanke zur Frage, worauf schauen wir?

00:09:59: Natürlich schauen wir heute auch auf die heiligen Öle.

00:10:03: Das katechummenen Öl, das kranken Öl und den Krisam, der Krisam, der dann in alle Pfarrgemeinden verteilt wird und mit dem ihr dann auch gefirmt werdet, wenn der Firmspender euch ein Zeichen mit diesem heiligen Öl auf die Stirn zeichnet.

00:10:25: Bevor wir andere mit den heiligen Ölen salben, Machen wir uns heute bewusst, wir Priester wurden bei der Taufe, bei der Firmung und bei der Weihhe mit Krisam gesalbt.

00:10:41: Gott hat uns gestärkt mit dem Öl der Freude.

00:10:46: Wie es der Prophet Jesaja gesagt hat, in der ersten Lesung war die Rede.

00:10:52: Der Herr hat mich gesandt, um Freudenöl zu geben statt Trauer, ein Gewand des Ruhms statt eines verzagten Geistes.

00:11:02: Mit diesem Öl der Freude hat Gott uns gestärkt und ausgestattet gegen Trauer und gegen einen verzagten Geist.

00:11:14: Neue Kraft und Freude für unseren Dienst erbitten wir heute vom Herrn.

00:11:19: Für jene Priester, die schon lange, schon viele Jahre und oft auch über das Pensionsalter hinaus treu Tag für Tag ihren Dienst tun.

00:11:30: Freude und Kraft für die Müden und Überforderten unter uns.

00:11:35: Freude auch jenen, die nach einer Niederlage wieder aufstehen, nach einer Krise tief durchatmen und neu beginnen.

00:11:45: Freude für unsere alten und kranken Mitbrüder, die die Kirche mit ihrem Gebet unterstützen.

00:11:52: und Freude besonders auch für die Priester in den ersten Dienstjahren, die voller Elan und Begeisterung beginnen.

00:12:02: Freude den Seminaristen, die sich auf den Weg zur Priesterweihe machen und allen Menschen, die spüren, dass der Herr sie ruft.

00:12:12: Worauf wir schauen, das prägt uns.

00:12:15: Heute schauen wir auf das Freudenöl, das Gott uns schenkt, mit dem er uns salbt und stärkt.

00:12:25: Und aus gegebenem Anlass zum Schluss noch ein Hinweis.

00:12:31: Vor achtzig Jahren war dieser Dom eine Brandruine.

00:12:38: Am elften April nineteenhundertfünfundvierzig fing das Dachfeuer und der mittelalterliche Hölzerne Dachstuhl ging in Flammen auf.

00:12:49: Als dann am dreizehnten April hier im vorderen Teil die glühenden Dachbalken das Gewölbe durchschlagen haben und das Feuer auch in den Innenraum des Domes übergriff, kam es hier zu verheerenden Schäden.

00:13:07: Auch das gotische Lettnerkreuz ist damals verbrannt.

00:13:13: Vermutlich, ich vermute, dass es heute auf den Tag genau achtzig Jahre sind, denn am vierzehnten April war der Brand zu Ende.

00:13:24: Und da hat ein Mann hier im Mittelgang in den rauchenden Schutthaufen den Christuskopf von diesem Lettnerkreuz gefunden.

00:13:38: Er hat den Brand überstanden.

00:13:42: Liebe Schwestern und Brüder, Worauf schauen wir?

00:13:47: Oft schauen wir auf die Schutthaufen und auf alles, was in der Kirche zusammenbricht und nicht mehr funktioniert.

00:13:56: Der Glaube, der bei vielen Menschen verdunstet, die schrumpfenden Katholiken zeigen, die immer knapper werdenden personellen und finanziellen Ressourcen.

00:14:07: Wir schauen auf Strukturfragen und Gebäudekonzepte, auch auf die schrecklichen Skandale und das Versagen in den eigenen Reihen.

00:14:17: Es ist wichtig, einen realistischen Blick auf die Probleme und Baustellen in unserer Kirche zu haben, aber es ist auch wichtig, die Hoffnungszeichen zu sehen und wahrzunehmen.

00:14:31: Und zwei solche Hoffnungszeichen möchte ich nennen.

00:14:36: Unter schwierigsten Bedingungen ist es in der Nachkriegszeit gelungen, den zerstörten Dom wieder aufzubauen.

00:14:46: Der absolute Tiefpunkt in der Geschichte des Steffans Doms wurde zum Ausgangspunkt für einen Wiederaufbau und Neubeginn.

00:14:56: Und der Steffans Dom steht heute da als steingewordener Zeuge der Hoffnung.

00:15:03: Und als Erinnerung daran, dass Krisen und Umbrüche im Leben der Kirche immer wieder zu einem Neubeginn und zu spirituellen Aufbrüchen geführt haben.

00:15:16: Ein Hoffnungszeichen.

00:15:19: Und das zweite Hoffnungszeichen, das ich nenne, ist der Christuskopf des Lettnerkreuzes im rauchenden Schutthaufen.

00:15:30: Das rekonstruierte Lettnerkreuz hängt seit dem Jahr zwei Tausend Neun wieder hier in der Führung.

00:15:38: Alles an diesem Kreuz ist neu.

00:15:41: Nur der Kopf der Christus-Statue ist erhalten und original.

00:15:49: Liebe Schwestern und Brüder, vieles an der Gesteit unserer Kirche erneuert sich, bricht zusammen, wird neu gestaltet.

00:16:02: Aber auf das Haupt der Kirche, auf Christus den Auferstandenen, ist Verlass.

00:16:11: Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.

00:16:17: Was wir im Auge haben, das prägt uns.

00:16:21: Dahinein werden wir verwandelt.

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