Predigt von Josef Grünwidl bei der Vesper zum Tag des geweihten Lebens (30.01.2026)
Shownotes
Predigt von Erzbischof Josef Grünwidl bei der Vesper zum Tag des geweihten Lebens, am 30. Jänner 2026.
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00:00:00: Liebe Schwestern und Brüder, besonders auch liebe Ordensjubilarinnen und Jubilare, hier im Dom oder über den Livestream mit uns verbunden, ich bin kein Ordensmann.
00:00:13: Ich komme zwar aus einer Melker Stiftspfarre und habe so rund um die Matura überlegt, ob ich Benediktina werden soll, aber für eine Ordensberufung hat es bei mir nicht gereicht.
00:00:24: Ich bin Dürze Sam Priester geworden.
00:00:27: Trotzdem will ich jetzt versuchen, Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, euch ein paar Impulse mitzugeben.
00:00:36: Ausgehend von zwei Fragen, was brauchen Ordensleute und was ermutigt Ordensleute.
00:00:47: Was braucht ihr?
00:00:49: Das Evangelium sagt ganz klar, Menschen, die in besonderer Weise Christus nachfolgen wollen, die brauchen eine Grundhaltung der Wachsamkeit.
00:01:01: Sie sollen bewusst und aufmerksam leben.
00:01:04: Seit wie Diener, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten.
00:01:09: Diese innere Wachheit soll Ordenschristinnen und Ordenschristen um natürlich auch alle Getauften auszeichnen.
00:01:19: Mitten in einer Zeit wo so viel geistige Mütheit und Trägheit sich breit macht.
00:01:28: Ich denke, wir kennen alle dieses dumme Vorurteil, dass Menschen, die in Glöstern oder in einer Ordensgemeinschaft leben, weltfremd sind, abgeschottet sind und keine Ahnung vom richtigen Leben haben.
00:01:45: Das Gegenteil ist der Fall.
00:01:49: Ordenschristen Ordenschristinnen, Menschen, die in einer geistlichen Gemeinschaft leben und einen geistlichen Weg gehen, sind nicht müde und verschlafen, sondern hellwach, interessiert am Puls der Zeit.
00:02:04: So will uns Gott.
00:02:07: Eure Hüften sollen gegürtet sein, haben wir in der Lesung gehört.
00:02:12: Das bedeutet, das Boden lange gewandt, dass die Menschen zurzeit Jesu getragen haben.
00:02:19: Das muss geschürzt werden, denn nur dann kann man sofort aufstehen und schnell rasch weggehen.
00:02:26: Würde man das nicht machen, ist die Gefahr, dass man stolpert.
00:02:31: Eure Hüften sollen gegürtet sein, das Gewand soll immer sozusagen sprungbereit angezogen sein.
00:02:39: Und dieses Schürzen und sich gürten, das geschieht im täglichen Gebet.
00:02:46: Das Gebet, die Stille, Das Hinhören auf Gottes Wort, das macht uns innerlich wach und gibt uns die Kraft, aufmerksam bewusst zu leben und das Richtige zu tun, die richtigen Schritte zu setzen.
00:03:05: Ihr, liebe Schwestern und Brüder, betet täglich mehrmals, viele von Ihnen auch in Gemeinschaft und nicht alleine, und ihr betet immer auch stellvertretend.
00:03:18: Für andere, für alle.
00:03:20: Euer Gebet ist ein wichtiger Dienst für das Heilwerden und das Wachwerden der Menschen.
00:03:29: Und dafür ein Danke.
00:03:32: Was brauchen wir noch und was brauchen Ordensleute besonders?
00:03:37: Das Evangelium sagt, brennende Lampen.
00:03:41: Eure Lampen sollen brennen.
00:03:44: Über die Lampen und über das Öl in den Lampen haben schon die Kirchenväter viel nachgedacht und überlegt und sie haben gesagt, die Lampe ist das Symbol für unseren Glauben und das Öl symbolisiert die gelebte Liebe.
00:04:01: Denn die Voraussetzung, dass wir Christus dem Braureitigam entgegengehen und ihn begegnen können, ist nicht allein der Glaube, sondern ein anliebe, reiches und leuchtendes Leben.
00:04:16: Erst die verschenkte Liebe macht unseren Glauben zum Licht.
00:04:22: Ein Mensch, der Gutes tut, der teilt, der versöhnlich ist und beim Herz sich umgeht, besonders auch, wenn man in einer Gemeinschaft Tag für Tag zusammenlebt, dessen Leben leuchtet.
00:04:36: Und der wird vom Herrn mit einer brennenden Lampe belohnt.
00:04:41: Schon jetzt hier in diesem Leben leuchtet dann unser Licht und das Öl der Liebe macht unser Leben leuchten über den Tod hinaus.
00:04:54: Ordensleute und gottgeweite Menschen brauchen also das tägliche Gebet, um auf Gott zu hören, um mit ihm im Gespräch zu bleiben.
00:05:03: Das Gebet ist ihr geschürztes Gewand, ihr Kleid der Wachsamkeit.
00:05:09: und sie brauchen Werke der Liebe, damit der Glaube auch leuchtet und zum Licht für andere wird.
00:05:17: Was kann euch, was kann uns ermutigen?
00:05:23: Eine erste Ermutigung.
00:05:26: Lasst euch weder groß noch klein reden, liebe Ordenschristinnen und Christen.
00:05:33: Was meine ich damit?
00:05:36: Einerseits werden Ordensgemeinschaften heute oft klein geredet.
00:05:42: Sehr oft geschieht das, in der, ich nehme einmal an, gut gemeinten, aber eigentlich doch sehr übergriffigen Frage, wie viele seid ihr denn noch?
00:05:55: Ich denke, diese Frage bekommen Sie, bekommt Ihr, liebe Schwestern und Brüder, öfter zu hören.
00:06:01: Wie viele seid ihr denn noch?
00:06:05: Andererseits werden Orden manchmal auch überfordert, wenn die prophetische Kraft der Orden herausgestrichen wird oder wenn Ordensgemeinschaften oft auch im Kontrast zur Diözese als die wahren und echten Christinnen und Christen aufs Protest gestellt werden.
00:06:25: Lasst euch nicht kleiner und auch nicht größer machen, als ihr seid, sondern lebt dankbar und selbstbewusst.
00:06:34: und mit dem Mut, das heißt mit Mut zum Dienen, eure Berufung in der Kirche an dem Platz, an den Gott euch gestellt hat.
00:06:45: Und eine zweite Ermutigung.
00:06:48: Ich wünsche euch allen den Mut, ganz und auch gerne, ihm hier und heute zu leben.
00:06:58: Und auch realistisch in die eigenen Reihen und in unsere Welt zu schauen.
00:07:04: Denn nicht nur in den Pfarrgemeinden, sondern auch in vielen Ordensgemeinschaften, Sekularinstituten, auch im gottgeweihten Leben, zeichnen sich Umbrüche und Veränderungen ab.
00:07:17: Ich erinnere heute daran, dass Orden in der Kirche immer ein Minderheitenprogramm waren.
00:07:26: Es war nie die Mehrheit, die in Ordensgemeinschaften gelebt hat.
00:07:33: Ich erinnere auch daran, dass es in Österreich angefangen im XIII.
00:07:38: Jahrhundert bis herauf und den Beginn des XIX.
00:07:42: Jahrhunderts ziemlich konstant, immer zwischen achthundert und tausend Ordensleute gegeben hat.
00:07:54: Erst im XIX.
00:07:55: Jahrhundert erlebte der Ortenstand eine Blütezeit.
00:07:59: Viele neue Kongregationen wurden im neunzehnten Jahrhundert gegründet, auch als Reaktion auf die soziale Notindustrialisierung und auf fehlende öffentliche Gesundheitsvorsorge.
00:08:12: Und es entstanden damals, wir wissen, dass alle vor allem viele Frauengemeinschaften, die sich in der Krankenseelsorge, im Bildungsbereich, in der Sorge um Arme engagiert haben.
00:08:24: Und erst in dieser Zeit Erst ab dem neunzehnten Jahrhundert ist die Zahl der Ordensleite in Österreich von ungefähr tausend auf fünfzehntausend angestiegen.
00:08:38: Auf fünfzehntausend.
00:08:42: Was wir also jetzt erleben, liebe Schwestern und Brüder, ist einerseits ein dramatischer Rückgang, aber andererseits auch eine Rückkehr zum jahrhundertelangen Normalzustand des Ordenslebens in unserem Land.
00:08:59: Dass dieser Rückgang natürlich trotzdem für betroffene Kongregationen, Orten oder Gemeinschaften sehr schwierig und schmerzlich ist, liegt auf der Hand.
00:09:11: Aber ebenso klar sollte uns auch die Hoffnung sein, das bedeutet nicht das Ende der Orten.
00:09:20: und der Gemeinschaften in unserer Zeit.
00:09:23: In der Ärztür zu Sevin sind zurzeit einundneinzig Ordensgemeinschaften, Sekularinstitute und Gemeinschaften des gottgeweiten Lebens am Werk.
00:09:35: Sie bringen die Kirche zum Leuchten und sie sind vor allem eines Gemeinschaften des Gebetes, gemeinschaftlich gelebte christliche Gruppen.
00:09:48: und Oasen der Spiritualität.
00:09:50: Und dafür bin ich sehr dankbar.
00:09:55: Der Mut, realistisch zu bleiben und sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen gründet in der festen Überzeugung, liebe Schwestern und Brüder, Gott umarmt uns in der Wirklichkeit.
00:10:09: Gott umarmt uns im Hier und Heute.
00:10:14: Nicht in der guten alten Zeit, in der Vergangenheit, oder nicht in einem wollten Guckucksheim der Zukunft.
00:10:22: Gott umarmt uns in der Zeit, in der wir leben, in die wir gestellt sind.
00:10:29: Ich schließe mit einem Gebet, dass der heiligen Edith Stein zugeschrieben wird und dass besonders auch den Jubilarinnen und Jubilaren unter uns gilt, die heuer in diesem Jahr ein Rundes oder auch ein halbrundes Prof.
00:10:44: Jubiläum feiern.
00:10:46: Sie kennen dieses Gebet.
00:10:49: Ohne Vorbehalt und Ohne Sorge nehme ich das Jahr aus Deiner Hand.
00:10:56: Sei mein Heute und mein Gläubig Morgen, sei mein Gestern, das ich überwand.
00:11:03: Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen.
00:11:07: Bin in Deinem Mosaik ein Stein.
00:11:11: Wirst mich an die rechte Stelle legen.
00:11:15: Deinen Händen bette ich mich ein.
00:11:20: Liebe Schwestern und Brüder, ihr alle seid Mosaiksteine im bunten Bild der Kirche.
00:11:30: Danke für euer Gebet und euer Wachsein in dieser Zeit.
00:11:36: Danke für euer Leuchten in der Liebe und für euren Mut und eure Hingabe im Hier und Heute zu leben.
00:11:48: Amen.
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