Predigt von Josef Grünwidl zu Dreikönig (6. Jänner 2026)
Shownotes
Predigt des Ernannten Erzbischofs Josef Grünwidl zu Dreikönig, am 6. Jänner 2026.
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00:00:00: Liebe Schwestern und Brüder hier im Dom und über die Medien mit uns verbunden, liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst, Epiphanie, Erscheinung des Herrn ist das ältere, ursprüngliche Weihnachtsfest und unsere Schwestern und Brüder in vielen Orthodoxenkirchen feiern heute Weihnachten die Geburt des Herrn.
00:00:22: Mit Epiphanie bekommt Weihnachten, dass in unseren Breiten oft als Familienfest gefeiert wird, einen Schub an Globalisierung.
00:00:34: Das Kind in der Grippe ist der Stern, ist das Licht für alle Menschen, der Retter der Welt.
00:00:44: Mehr als hunderttausend Kinder, Jugendliche und Erwachsene beteiligen sich jedes Jahr in Österreich an der Drei-Königs-Aktion.
00:00:53: Und auch heute und in den vergangenen Tagen sind wieder Königinnen und Könige unterwegs, von Haus zu Haus.
00:01:01: Sie bringen die Botschaft von der Geburt des Erlösers ins Haus und den Segen für das neue Jahr.
00:01:09: Schauen wir jetzt auf das Evangelium, das der Diakon uns gerade verkündet hat.
00:01:14: Man kann sich dieser bekannten Erzählung von den Sternteutern aus dem Orient in drei Schritten nähern.
00:01:20: Man kann einmal historisch drauf schauen, dann natürlich auch, was ist die theologische Bedeutung.
00:01:27: Und in einem dritten Schritt möchte ich auch fragen, das ist ja immer das Entscheidende.
00:01:32: Was heißt denn das jetzt existenziell für mich?
00:01:36: für meinen Lebens- und Glaubensweg, was wir hier heute feiern.
00:01:42: Zunächst also ein paar historische Anmerkungen, angefangen beim Stern von Bethlehem.
00:01:49: Seit den berühmten Astronomen Johannes Keppler versuchen bis heute, bis heute, immer wieder Wissenschaftler, den Stern von Bethlehem zu deuten und zu erklären, als Komet, als Supernova, als seltene Konjunktion von Saturn und Jupiter, aber keine dieser Theorien ist allgemein akzeptiert und auch wissenschaftlich ganz stichhaltig.
00:02:16: Da bleiben Fragezeichen.
00:02:19: Genauso geht es uns bei der Antwort auf die Frage, wer waren denn die Sterndeuter, die Magier aus dem Osten?
00:02:27: Wir wissen, dass in der Antike Magier ein sehr positives Image hatten.
00:02:34: Ein Magier, das war ein Philosoph, ein Naturwissenschaftler und ein Gottesmann in einem.
00:02:42: Die Magier waren die Hüter des Wissens, die Hüter des Wissens über Gott und die Welt.
00:02:50: Die Sterntheit aus dem Orient im Evangelium könnten zum Beispiel persische Gelehrte gewesen sein, aber auch da bleiben Fragezeichen.
00:03:00: Von drei Königen freilich steht nichts im Evangelium.
00:03:04: Die Volksfrömigkeit hat aus den Sterndeutern drei Könige gemacht und ihnen im sechsten Jahrhundert auch Namen gegeben, Casper, Melchior und Balthasar.
00:03:16: Und wir wissen, dass die Anfangsbuchstaben dieser Namen CMB weisen hin auf den alten Neujahrssegen für die Häuser Christus.
00:03:27: Mansionen, Benedikat, Christus, Segne dieses Haus.
00:03:33: Die drei Könige galten als Vertreter der damals bekannten Erdteile, Europa, Asien und Afrika.
00:03:43: Schauen wir nun das Evangelium auch unter einer theologischen Perspektive an.
00:03:48: Das ist ja entscheidend, denn die biblischen Erzählungen von der Geburt und der Kindheit Jesu wollen nicht einfach historische Fakten überliefern, sondern sie versuchen eine Antwort auf die entscheidende Frage.
00:04:04: Wer ist dieses Kind?
00:04:08: Das Matthäus Evangelium beantwortet diese Frage und nimmt Bezug auf den Propheten Jesaja.
00:04:15: Das Kind von Bethlehem ist der erwartete Retter der Messias Israels.
00:04:21: Aber nicht nur das Volk Israel, sondern wir haben es in der ersten Lesung gehört, auch die Nachbarvölker.
00:04:27: von überall, von nah und fern werden Menschen kommen, um in Jerusalem dem Gott Israels zu huldigen.
00:04:36: ihn mit Geschenken zu überhäufen und ihn anzubeten.
00:04:42: Um die theologische Idee des Matthäus Evangeliums verstehen zu können, muss man auf den Schluss schauen.
00:04:50: Ganz am Ende des Matthäus Evangeliums im letzten Kapitel versammelt der Auferstandene seine Apostel und sagt, geht zu allen Völkern und tauft sie, macht sie zu meinen Jüngern.
00:05:06: Was als Zielsatz am Schluss des Evangeliums steht, das rückt der Verfasser auch schon ganz an den Beginn zur Geburt des Kindes.
00:05:16: Von Anfang an ist klar, das Kind im Stall von Bethlehem ist der Retter der Erlöser der ganzen Welt und die Sternteuter aus dem Osten sind also die ersten Repräsentanten der sogenannten heidenvölker, der fremden Völker, die zum Glauben an Christus finden.
00:05:37: Sie sind die Pioniere der Gottsuche und diese Gottsuche geht weiter bis in unsere Zeit.
00:05:46: Und wenn einfache Hirten aus der Nähe und gelehrte aus der Ferne zum Kind nach Bethlehem und zum Glauben finden, dann bedeutet das, so unterschiedlich wir Menschen sind, so unterschiedliche Wege führen zu Gott und zum Glauben an Jesus Christus.
00:06:09: Und dann die drei Geschenke, die natürlich keine Alltagsgaben für das Leben der heiligen Familie sein wollen, sondern theologische Zeichen sind.
00:06:20: Gold gebührt dem Kind in der Grippe, denn es ist der König der Könige.
00:06:24: Weihrauch gebührt dem Sohn Gottes.
00:06:27: Und Müre, ein bitteres Hart, das in der Antike verwendet wurde, um Heilsalben herzustellen, um Tote einzubalsamieren.
00:06:38: Die Müre verweist auf Christus, der bereit ist, durch Leid und Tod Rettung und Erlösung zu bringen.
00:06:49: Kommen wir jetzt aber noch zur entscheidenden dritten Frage.
00:06:52: Was bedeutet dieses Evangelium von den Sternteutern für uns, für unser Leben, für unseren Glaubensweg, für unsere Gottsuche?
00:07:04: Ich möchte darauf hinweisen, dass in vielen Krippen die drei Könige als drei Lebensalter dargestellt werden.
00:07:14: Oft sieht man einen jungen König, noch ohne Bartwuchs, einen Erwachsenen, und einen alten, gebeugten König.
00:07:23: Die Zeitrei verweist immer auf das Ganze und sagt, alles in uns, Geist, Seele, Körper soll ein Leben lang auf der Suche bleiben nach Gott.
00:07:35: Denn auf unserem Glaubensweg dürfen wir nie stehen bleiben.
00:07:38: Wir dürfen nicht stehen bleiben in den Kinderschuhen unseres Volksschulglaubens.
00:07:45: Wir dürfen nicht stehen bleiben in der Lebenskraft der Lebensmitte und auch nicht dann, wenn wir uns abgeklärt und altersweise empfinden.
00:07:55: Solange wir leben, sind wir wie die Sterndeuter auf dem Weg als Gottsuchende.
00:08:02: Und wir alle ziehen auch vom Morgen ins Abendland.
00:08:07: Vom Morgen unseres Lebens bei der Geburt gehen wir dem Lebensabend unserem Tod entgegen.
00:08:16: Ich frage mich, was werde ich in Händen halten, wenn ich einmal Gott begegne im Abendland in meinem Tod?
00:08:25: Hoffentlich auch ein wenig Gold meiner Liebe, die ich verschenkt habe, denn das ist das Wertvollste, das zählt über den Tod hinaus.
00:08:36: Hoffentlich auch den Weihrauch meines Glaubens und meiner Hoffnung und sicher auch manche bittere Mürre, Enttäuschungen, Schmerzen, Leid, in der Hoffnung, dass Gott dann alles in Freude verwandeln wird.
00:08:53: Und noch ein letzter Hinweis.
00:08:56: Papst Leo schließt heute die heilige Pforte in Rom.
00:09:01: Pilger der Hoffnung, dieses Motto des zu Endegehenden heiligen Jahres soll uns aber auch im neuen Jahr begleiten.
00:09:11: Es bleibt aktuell.
00:09:13: Pilger der Hoffnung.
00:09:15: Von den Sterndeutern hat es im letzten Satz des Evangeliums heute geheißen, dass sie nach der Begegnung mit dem Kind von Bethlehem auf einem anderen Weg nach Hause gegangen sind.
00:09:31: Darauf dürfen auch wir vertrauen.
00:09:34: Wer auf Christus den Stern schaut, sich von ihm leiten lässt und zum Glauben findet, der geht nicht mehr die alten und nur eigenen Wege.
00:09:45: sondern er wird auf einen neuen Weg auf den Pilgerweg der Hoffnung geführt.
00:09:52: Und das Ziel dieses Hoffnungsweges ist nicht der Tod, sondern das ewige Leben.
00:10:01: Folgen wir, Christus dem Stern.
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