Ansprache von Josef Grünwidl zur Jahresschlussfeier (31. Dezember 2025)
Shownotes
Ansprache des Ernannten Erzbischofs Josef Grünwidl zur Jahresschlussfeier, am 31. Dezember 2025.
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00:00:00: Liebe Schwestern und Brüder hier im Dom, vor dem Dom und über Radio Klassik Steffens Dom mit uns verbunden.
00:00:07: Der Herr ist groß in seiner Macht und ewig wert sein Rom.
00:00:13: Mit diesem Lobpreis aus der Schöpfung von Josef Hayden hat der Chor auf die Lesung, die ja auch aus dem Schöpfungshymnus im Buch Genesys entnommen war, geantwortet.
00:00:25: Da war die Rede vom vierten Schöpfungstag.
00:00:29: Am vierten Tag hat Gott die Himmelskörper erschaffen.
00:00:33: Sonne, Mond und Sterne.
00:00:36: Sie bestimmen Tag und Nacht, aber auch die Festzeiten und den Jahreslauf.
00:00:43: Der bis heute weltweit verbreitete Kalender, der Gregorianische Kalender, ist ja ein Sonnenkalender.
00:00:50: Das Sonnenjahr bestimmt unser Jahr.
00:00:54: Und die Himmelskörper helfen uns, Tag und Nacht die Zeit zu unterscheiden und unsere Jahre zu zählen.
00:01:02: Heute Abend stehen wir zwischen den Jahren.
00:01:07: Die besondere Situation in diesem Moment bringt der römische Gott Janus gut zum Ausdruck.
00:01:15: Janus wird immer doppelköpfig dargestellt.
00:01:18: Er schaut zurück und zugleich auch nach vorne und er gibt im ersten Jahresmonat dem Januar den Namen.
00:01:26: Rückblick und Vorschau.
00:01:28: Darum geht es am Silvesterabend an der Schwelle zum neuen Jahr.
00:01:33: Dankbarkeit und Hoffnung.
00:01:36: Erwartungen, vielleicht auch Befürchtungen, vermutlich haben viele von uns gemischte Gefühle in dieser Stunde.
00:01:44: Drei kleine Impulse für die Zeit zwischen den Jahren.
00:01:50: Am sechsten Jänner wird Papst Leo in Rom, das heilige Jahr, das unter dem Motto Pilger der Hoffnung steht, beenden.
00:01:58: Er wird die heilige Pforte schließen.
00:02:01: Aber das Motto dieses heiligen Jahres soll weiter aktuell und wichtig für uns bleiben.
00:02:07: Hoffnungsvoll pilgern, zuversichtlich unsere Wege gehen, auch im Jahr zwanzigzehnt.
00:02:16: Umfragen zufolgeblickt in Österreich nur jeder fünfte, zuversichtlich und optimistisch ins neue Jahr.
00:02:24: Sorgen und Zukunftsängste überwiegen also bei Weiten.
00:02:28: Und es ist doch kein Wunder angesichts der Krisen, Probleme und Herausforderungen unserer Zeit.
00:02:36: Ich weise darauf hin, dass im Schöpfungshymnus in der Bibel immer wieder der Satz auftaucht, Gott sah, dass es gut war, dass alles sehr gut war, was er gemacht hat.
00:02:51: Wir sind heute bei unserer ganz persönlichen Jahresbilanz eingeladen, bewusst auf das zu schauen, was gut war, was hoffentlich auch gut bleibt und uns im neuen Jahr gut begleiten wird.
00:03:05: Und ich bin überzeugt, da fällt uns allen Vieles ein.
00:03:09: Liebe Menschen, Beziehungen, die uns Halt geben und tragen, Begegnungen, Erlebnisse, unsere Erfolge im vergangenen Jahr, vielleicht auch sogar die eine oder andere Sternstunde, die wir erleben durften.
00:03:24: Vieles, das uns geschenkt wurde, positive Überraschungen, so vieles, das gut ist und gut geht und von uns oft gar nicht mehr wahrgenommen, als wahr, als real wahrgenommen wird.
00:03:40: Gott sah, dass es gut war.
00:03:43: Ein von der Schöpfung inspirierter Neujahrsvorsatz könnte also lauten, ich will im neuen Jahr bewusst das Gute wahrnehmen, mich darüber freuen und dafür danken.
00:03:55: Ich will das Gute und Schöne, das ich täglich erlebe, nicht kommentalos hinnehmen, sondern im Guten, die Güte Gottes, sein Gutsein zu mir entdecken.
00:04:09: Das schenkt Hoffnung und das macht froh.
00:04:12: Und wer so ins neue Jahr hineingeht, startet als Pilgerin, als Pilger der Hoffnung und macht auch das neue Jahr zu einem heiligen und heilenden Jahr.
00:04:26: Ein zweiter Impuls für unseren Rückblick und Ausblick.
00:04:31: Das Jahr twenty-fünfundzwanzig war nicht nur für die Weltkirche ein heiliges Jahr, sondern für den Steffans Dom ein ganz besonderes Gedenkjahr.
00:04:41: Im April nineteenhundertfünfundvierzig vor achtzig Jahren stand das Dach in Brand und das Gewölbe vorne ist eingestürzt.
00:04:52: Die Pummerin war zerschält am Boden.
00:04:55: Das Feuer konnte sich auch im Inneren des Domes ausbreiten und hat hier verheerende Schäden angerichtet.
00:05:02: Der Wiederaufbau des Domes in der Nachkriegszeit war ein gemeinsamer Kraftakt.
00:05:09: Alle Bundesländer haben mitgeholfen und unzählige sogenannte kleine Leute haben gespendet und einen Beitrag geleistet.
00:05:18: Legendär ist die Dachziegelaktion für den Dom.
00:05:23: Viele Wienerinnen und Wiener, Österreicherinnen, Österreicher haben einen oder mehrere der bunten Dachziegel gespendet.
00:05:32: Für mich ist das Steffans Dom Ein steingewordenes Hoffnungszeichen für das Miteinander und den Glauben der Menschen in Österreich.
00:05:42: Der wiederaufgebaute Dom zeigt mir, was möglich ist, wenn viele sich von einer gemeinsamen Vision leiten lassen und einen Beitrag leisten.
00:05:54: Für das neue Jahr wünsche ich uns allen, dass uns neben dieser Grundhaltung der Dankbarkeit und der Hoffnung auch eine gemeinsame Vision leitet.
00:06:04: Eine große Vision, die da heißt, Miteinander, nicht gegeneinander.
00:06:12: Liebe Schwestern und Brüder, lassen wir uns nicht auseinander dividieren.
00:06:17: Junge gegen alte, Österreicher gegen Ausländer, Reiche gegen Arme und auch nicht Christen gegen Andersgläubige.
00:06:27: Die große Vision vom Miteinander in Solidarität und Frieden können wir aber nur gemeinsam umsetzen.
00:06:35: Die Probleme und Herausforderungen unserer Zeit können nur bewältigt werden, wenn jede und jeder Einzelne erkennt.
00:06:44: auf mich, Auf uns kommt es an.
00:06:48: Nicht als Zuschauer, die von außen alles kritisieren und besser wissen, sondern als Beteiligte, die sich engagieren, involvieren und etwas beitragen.
00:06:59: und sei unser Beitrag noch so klein wie damals vielleicht ein bunter Dachziegel für das Domdach.
00:07:08: Jeder Mensch hat die Möglichkeit, dort, wo er steht, in seinem Einfluss- und Gestaltungsbereich etwas zum Guten zu verändern und etwas beizutragen für Gemeinschaft und Miteinander, für Versöhnung und Frieden, in der Familie, im Freundeskreis am Arbeitsplatz, in einem Verein, im ehrenamtlichen Engagement.
00:07:30: Liebe Schwestern und Brüder, Rückblick und Ausblick!
00:07:35: Das Motto des heiligen Jahres twenty-fünfundzwanzig mitnehmen ins neue Jahr, aus der Geschichte dieses Doms Lernen zusammenstehen und miteinander die Vision von Frieden und Gerechtigkeit verwirklichen.
00:07:53: und mein dritter Impuls auf den Segen Gottes vertrauen.
00:08:00: Ich möchte Sie hinweisen auf dieses große Kreuz, das hier in der Vierung hoch über unseren Köpfen hängt.
00:08:08: Beim Dombrand vor achtzig Jahren ist der Korpus dieses gotischen Holzkreuzes fast vollständig verbrannt.
00:08:16: Aber am Tag nach dem Brand fand man in den rauchenden Schutthaufen den geschnitzten Christuskopf.
00:08:25: der den Brand überstanden hat.
00:08:27: Er ist jetzt in das rekonstruierte Kreuz eingebaut und schaut segnend auf uns herab.
00:08:36: Diese Zuversicht wünsche ich uns allen für das neue Jahr, dass sein guter und uns liebender Gott auf uns segnend herab schaut und uns begleitet und nahe sein will, jeden Tag des neuen Jahres.
00:08:52: Und dass der Glaube an Gott uns die Kraft gibt, im Jahr zwanzigundzwanzig nicht als Unheilspropheten und Schwarzseher unterwegs zu sein, sondern als Menschen der Hoffnung, als Menschen guten Willens, die bereit sind, sich zu beteiligen und einen Beitrag für das Miteinander, für Versöhnung und Frieden zu leisten.
00:09:18: Wenn der Chor jetzt den großen Lobpreis anstimmt, vollendet ist das große Werk, dann müssen wir zugeben, vollendet ist unser Lebenswerk noch nicht und auch unsere Lebenszeit ist noch nicht vollendet.
00:09:35: Gott schenkt uns ein neues Jahr.
00:09:38: Doch wir haben am Ende dieses Jahres alle Grund, dankbar zurückzuschauen und hoffnungsvoll nach vorne zu blicken.
00:09:47: Und darum passt dieser Chor aus Heidens Schöpfung für den heutigen Silvesterabend, den er schließt mit den Worten, auch unsere Freude erschalle laut, des Herrn Lob sei unser Lied.
00:10:03: Amen.
00:10:04: Halleluja.
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