Predigt von Josef Grünwidl zum Stefanitag (26. Dezember 2025)
Shownotes
Predigt des Ernannten Erzbischofs Josef Grünwidl zum Stefanitag, am 26. Dezember 2025.
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00:00:00: Heute feiert der Wiener Steffans Dom Namensdag.
00:00:04: Eines seiner Patrozinien, der Dom, ist ja auch allen Heiligen Geweit.
00:00:09: Das merkt man, wenn man die vielen Heiligen Figuren und Bilder an den Pfeilern und hier im Kirchenraum sieht, in besonderer Weise aber dem Erzmärtürer, dem Diakon Stefanus.
00:00:23: Geschätzter Herr Domprobs und liebe Mitglieder des Domkapitels, dem Domkapitel ist ja die Sorge für dieses wunderschöne Gotteshaus anvertraut.
00:00:33: Herr Kirchenmeister, Herr Sakristai-Direktor, Herr Dombaumeister und ich glaube, in Wien, wo die Wiener Klassik so gepflegt wird, muss man heute auch dazu fügen, Herr Domkapellmeister und Herr Domorganist.
00:00:47: Aber dann natürlich auch liebe Diakone mit euren Familien, die ihr heute da seid, um den Diakon Stephanus und Euren Festtag zu feiern.
00:00:58: Liebe Schwestern und Brüder, hier im Dom und über das Radio mit uns verbunden.
00:01:05: Die Liturgie mutet uns heute einen Bruch, einen Kontrast zu.
00:01:12: Nicht mehr vom Kind in der Grippe von Hirten und Engligen ist heute die Rede, sondern von Verfolgungen, von tödlichem Hass, der sich quer durch die Familien zieht.
00:01:24: Und von einer brutalen Lünchjustiz, Stephanus, wird grausam gesteinigt.
00:01:32: Aber so einen Bruch zwischen Christag und Stefanitag bemerkten nur diejenigen, die Weihnachten sehr oberflächlich feiern.
00:01:41: Denn bei genauerem Hinsehen hat man schon am heiligen Abend bemerkt, das Holz der Grippe verweist auf das Holz des Kreuzes.
00:01:53: Geburt und Tod gehören zusammen, genauso wie Weihnachten, Passionszeit, Ostern und Auferstehung.
00:02:03: Ich lade ein, dass wir auch jetzt genauer hinschauen auf Diakon Stephanus.
00:02:09: Denn ich bin überzeugt, er ist ein Lehrmeister, nicht nur für die Diakone unter uns, sondern für uns alle.
00:02:17: Nehmen wir bei ihm drei Nachhilfestunden im Christsein.
00:02:23: Ein erstes.
00:02:26: Vor fünfzig Jahren hat Papst Paul VI.
00:02:28: in seiner berühmten Entzückliga über die Evangelisierung geschrieben, der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte.
00:02:39: Und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil es Zeugen sind.
00:02:48: Das griechische Wort mehrtyrer bedeutet Zeuge.
00:02:53: Und Matyrium ist das Zeugnis des Glaubens.
00:02:58: Es gibt das blutige Matyrium, wenn Menschen bereit sind oder gewaltsam auch zu Tode gebracht werden und für ihren Glauben sterben.
00:03:09: Und es gibt auch das unblutige Glaubenszeugnis.
00:03:14: Glaubenszeuge seien, das meint, mein Glaube ist nicht bloß Dekoration, wenn es passt und angenehm ist, sondern mein Glaube bestimmt mein Leben und ich stehe dazu, auch dann, wenn es für mich unangenehm und eng wird.
00:03:33: Wenn zum Beispiel Jugendliche in der Schule erzählen, dass sie am Sonntag in die Messe gehen und vielleicht sogar ministrieren, dann kann es leicht sein, dass sie Gegenwind spüren oder Ablehnung oder Spott erfahren.
00:03:51: und auch merken, was es bedeutet, den Glauben zu bezeugen.
00:03:56: Wenn Menschen nicht nur zu Hause vor dem Essen ein Tischgebet sprechen, sondern auch in einem Gasthaus, so bezeugen sie ihren Glauben.
00:04:07: Und wenn in einer Gesprächsrunde über die Kirche oder über den Glauben hergezogen wird und wir nicht stumm bleiben, sondern Farbe bekennen, dann sind wir Glaubenszeugen.
00:04:21: Nicht die Frage, was werden die anderen von mir denken, sondern die Frage, was wird Christus von mir denken, leitet Glaubenszeugen.
00:04:33: Die Menschen hören auf Zeugen, hat Paul VI.
00:04:37: gemeint und ich bin sicher, er hat damit Recht.
00:04:40: Den Glauben bezeugen, liebe Schwestern und Brüder, das hat nichts zu tun mit Belehern, mit Manipulieren oder andere unter Druck setzen oder von oben herab behandeln.
00:04:52: Ein Glaubenszeuge bin ich, wenn man an meiner Art zu denken, zu reden und zu handeln merkt, dass ich Christ bin, dass ich versuche, mich am Evangelium Jesu Christi auszurichten.
00:05:06: Das können wir von dir, Kon Stephanus lernen, der sich mutig und unerschrocken zu Christus bekannt hat.
00:05:16: Und auch wir haben keinen Grund, unseren Glauben zu verstecken oder feig zu sein.
00:05:24: Denn für das Evangelium Und für Jesus Christus brauchen wir uns nicht zu schämen.
00:05:33: Eine zweite Lektion des Heiligen Stephanus hat für mich zu tun mit dem zweifachen Dienst unserer Diakone.
00:05:42: Dieser diakonale Dienst hat ja eine karitativsoziale Komponente und auch eine liturgische.
00:05:50: Liturgie und Karitas, Gottesdienst und Menschendienst, die betende Und die dienende, helfende Kirche sind im Diakonenamt vereint.
00:06:02: Und beide Bereiche haben natürlich auch mit uns und mit unserem Christsein zu tun.
00:06:08: Den Glauben hier in der Kirche feiern und den Glauben draußen leben und bezeugen, indem wir hilfsbereit sind, indem wir Not nicht übersehen und von unserer Hoffnung und unserem Glauben erzählen.
00:06:25: Das ist unser aller Auftrag und unsere Berufung.
00:06:29: Auch das hat Dirk und Stephanus vorbildlich gelebt.
00:06:35: Und die dritte Lektion, die er uns lehrt, wie Jesus sterbend am Kreuz, so hat auch Stephanus sterbend für seine Verfolger gebetet.
00:06:49: Erinnern wir uns heute am Festtag des ersten Märtyrers unserer Kirche an die Christenverfolgungen in unserer Zeit.
00:06:59: Rund dreihundertachzig Millionen Christen werden weltweit verfolgt.
00:07:07: Sie leiden unter Feindseligkeiten und Einschränkungen der Religionsfreiheit.
00:07:13: Sie werden in den Untergrund getränkt, damit Kirche nicht mehr sichtbar ist.
00:07:19: und es geht hin bis zur Verfolgung, Vertreibung, Gefängnis, Folter und Hinrichtungen.
00:07:27: Nordkorea, Jemen, Pakistan, Iran, Indien, die Liste der Länder, in denen Christen benachteiligt, vertrieben und verfolgt werden, ist sehr lang.
00:07:41: Immer wieder hören wir in den Medien auch von Übergriffen und Massakern, von fanatischen Attentätern, die meinen, dass sie es ihrem Glauben schuldig sind, andersgläubige Menschen, und das betrifft nicht nur uns Christen, grundsätzlich andersgläubige zu diskriminieren, zu verletzen oder zu töten.
00:08:07: Die vielen Christenverfolgungen unserer Zeit, liebe Schwestern und Brüder, müssen eine Wunde sein, die uns schmerzt.
00:08:15: Vergessen wir nicht, unsere Verfolgten, Schwestern und Brüder.
00:08:21: Durch Spenden, durch Öffentlichkeitsarbeit und Petitionen und auch durch unser Gebet können wir Solidarität mit Ihnen zeigen.
00:08:32: Die dritte Lektion, die Stefanus uns heute leert, lautet, Religionsfreiheit und die staatliche Anerkennung von Kirchen und Religionsgemeinschaften, die wir in Österreich erleben, sind bei Weitem keine Selbstverständlichkeiten.
00:08:50: Danken wir Gott, dass wir nicht um unseres Glaubenswillen verfolgt werden oder wie Diakon Stephanus und unzählige Märtyrer bis heute, dass wir nicht unser Leben geben müssen.
00:09:06: Aber das unblutige Materium, das Zeugnis unseres Glaubens, liebe Schwestern und Brüder, das bleibt auch uns.
00:09:15: nicht erspart.
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