Predigt zum Aschermittwoch (5. März 2025)

Shownotes

Predigt des Apostolischen Administrators Josef Grünwidl zum Aschermittwoch, 5. März 2025.

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00:00:00: Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht haben es einige von Ihnen heute auch gelesen.

00:00:05: Der ORF hat am Nachmittag unter den News die Ergebnisse einer neuen Untersuchung veröffentlicht.

00:00:12: Die Universität Wien hat eine Untersuchung gemacht über das Phänomen der spirituellen Langweiligkeit.

00:00:21: und welche negativen Auswirkungen spirituelle Langweile auf den Menschen hat.

00:00:26: Und eines dieser Untersuchungsergebnisse war, man glaubt es kaum, dass bei Predigten die spirituelle Langweile am häufigsten zuschlägt.

00:00:39: Ich werde mich jetzt bemühen, dass das nicht passiert.

00:00:42: und wenn einige schmunzeln, dann haben wir schon etwas aus dem heutigen Evangelium begriffen.

00:00:50: Auch am Aschermittwuch, der ein sehr ernster Tag ist, ein Fasttag, gilt das Wort des Herrn, wenn ihr fastet, dann macht kein finsteres Gesicht und gebt euch kein trübseliges Aussehen.

00:01:08: Wir stehen heute am Beginn der österreichischen Bußzeit und gehen auf Ostern zu und es wird heuer ein ganz besonderes Osterfest.

00:01:17: Denn tausend, siebenhundert Jahre nach dem großen Konzil von Nicea überschneiden sich die östliche und die westliche Berechnungsmethode für den Ostertermin, etwas ganz Besonderes.

00:01:32: Wenn also am zwanzigsten April Ostkirche und Westkirche gemeinsam Osterfeiern, Osternfeiern, dann frage ich mich, Soll das nicht mehr sein als ein mathematischer Zufall?

00:01:48: Könnte das nicht für die Zukunft ein Modell werden, dass wir Berechnungsfragen für einen Termin hinten anstellen und dass es uns ein großes Anliegen wird, dass die Christenheit gemeinsam und geeint Osterzeugnis ablegt?

00:02:08: Da wir heuer Ostern gemeinsam feiern, haben wir mit der Ostkirche auch die Fastenzeit gemeinsam, wobei es nicht ganz stimmt, denn unsere orthodoxen Schwesternkirchen kennen keine vierzigtägige, sondern eine fünfzigtägige Osterzeit und sie haben schon etwas vor uns begonnen.

00:02:29: In den allermeisten Religionen wird Fasten hochgeschätzt.

00:02:34: Es reinigt den Körper, es erhebt den Geist.

00:02:39: Das Judentum kennt viele Fasztage, es gibt auch die Tradition vor dem Pessachfest zu fasten und Pessach endet heuer auch, am zwanzigsten April, am christlichen Ostersundtag.

00:02:56: Und die Muslime haben auch schon mit ihrem großen Fastenmonat im Ramadan begonnen.

00:03:02: Die islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich hat alle dazu aufgefordert, ich zitiere, im Ramadan das Mitgefühl, die Solidarität, die Beständigkeit im Guten und das Friedliche miteinander zu stärken und diese Fastenzeit als eine spirituelle Zeit zu sehen.

00:03:26: Für uns Christen beginnt mit dem Ascher Mittwoch die große Glaubenskur der Kirche.

00:03:34: die Exerzitien, die geistlichen Übungen für das Gottesvolk, so wird die Fastenzeit auch genannt.

00:03:41: Und wenn wir uns jedes Jahr wieder wochenlang auf Ostern vorbereiten, durch Beten, Fasten und Werke der Liebe, dann wird damit auch eines deutlich, wir sind immer Christen, um Christen zu werden.

00:03:58: Und dieser Prozess ist nie abgeschlossen, solange wir hier auf der Erde unterwegs sind.

00:04:06: Ich möchte ganz kurz drei Wegweiser skizzieren für diesen Weg unseres Christwerdens, für den Weg der Umkehr und der Erneuerung, zu dem wir jetzt in der Fastenzeit eingeladen sind.

00:04:21: Den ersten Wegweiser finde ich im heutigen Evangelium.

00:04:25: Dein Vater sieht das Verborgene.

00:04:29: Dreimal und sehr eindringlich ermahnt Jesus seine Jünger, ihre Frömmigkeit nicht zur Schau zu stellen, sich nicht mit einer weißen Weste oder einer glänzenden Fassade zufrieden zu geben.

00:04:45: Und in die gleiche Kerbe schlägt auch der Prophet Joel.

00:04:49: Wir haben es in der Lesung gehört, zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider.

00:04:56: Der erste Wegweiser in dieser Fastenzeit zeigt also von der Oberfläche zum Inneren, zur Innerlichkeit.

00:05:06: Viele Menschen sind ständig damit beschäftigt, ihr äußeres Erscheinungsbild zu optimieren.

00:05:14: Jetzt in der Fastenzeit sind wir eingeladen uns zu fragen, was ist mir wichtiger?

00:05:21: Wie ich mich präsentiere?

00:05:23: Wie und ob die Anderen mich sehen und beachten und bewundern, oder ist es mir nicht doch wichtiger, wer ich in Wahrheit bin und wie Gott mich sieht?

00:05:36: Von der Oberfläche in die Tiefe, das denke ich mir auch für uns und für alle, wo vielleicht das Christsein schon ein bisschen verwässert ist und an der Oberfläche bleibt.

00:05:48: Wir reden von einem Gewohnheitschristentum, von einem Kulturchristentum, das sich oft im Brauchtum und in Traditionen erschöpft.

00:05:58: Das alles ist gut und schön.

00:06:00: Aber wenn das Christentum in unserem Land lebendig und glaubwürdig bleiben soll, dann braucht es mehr.

00:06:08: Dann braucht es Menschen, die ihre Taufberufung leben, die eine persönliche Beziehung zu Christus aufbauen und pflegen, Die versuchen, so gut sie können, nach dem Evangelium zu leben.

00:06:22: Und genau darum geht es jetzt.

00:06:26: Jetzt ist die Zeit der Gnade.

00:06:29: Jetzt sind wir eingeladen überall dort, wo unser Glaube dünn und oberflächlich geworden ist, wo unsere Fräumigkeit sich in Gewohnheiten und Ritualen erschöpft, in die Tiefe zu gehen und uns von Christus stärken, reinigen, und erneuern zu lassen.

00:06:50: Der erste Wegweiser in dieser Fastenzeit von außen nach innen, von der Oberfläche in die Innerlichkeit.

00:07:00: Die Fastenzeit ist eine Schule der Innerlichkeit.

00:07:05: Und nur wer innerlich brennt, kann außen leuchten.

00:07:12: Der zweite Wegweiser führt uns vom Ich zum Du und zum Wir.

00:07:18: Denn das christliche Fasten erschöpft sich ja nicht in Innerlichkeit und es gibt sich auch nicht mit dem alten Grundsatz zufrieden, rette deine Seele.

00:07:30: Sondern das christliche Fasten hat immer auch eine soziale Dimension.

00:07:35: Und ich denke, dieser Aspekt des Fastens ist in unserer Zeit besonders wichtig.

00:07:42: Ich denke da an Papst Franziskus, unseren schwerkranken Papst.

00:07:47: der uns in diesem heiligen Jahr einlädt, als Pilger der Hoffnung unterwegs zu sein.

00:07:53: Ich versuche das auch.

00:07:55: Und ich habe die leise Hoffnung, dass immer mehr Menschen schon erkennen und spüren in das Selbstverwirklichung und darin, dass jeder Mensch sein Ding machen kann, liegt nicht das große Glück.

00:08:13: Ich habe die Hoffnung, dass die Zeit kommt und schon da ist, in der das eigene Ich nicht mehr so groß geschrieben wird, dass du und wir kaum noch Platz haben.

00:08:27: Ich habe die Hoffnung, dass schon immer mehr Menschen spüren und klar sehen, die Zukunft liegt im Miteinander.

00:08:35: Die Zukunft gehört nicht den Spaltern, sondern den Brückenbauern.

00:08:40: Sie gehört nicht den Gewalttätigen, sondern den Barmherzigen und den Friedenstiftern.

00:08:46: Dazu möchte das Christliche Fasten und auch das Fasten in den anderen Religionen unser Herz öffnen.

00:08:56: Das Miteinander soll gestärkt werden.

00:09:00: Und ich lade dazu ein, dass das auch für unser Beten und Fasten gilt.

00:09:06: Das Gebet, das solidarische Gebet, meint also, ich bete nicht nur immer für mich und meine Sorgen, sondern ich kenne auch die Für-Bitte.

00:09:17: Ich bete für andere.

00:09:20: Ich nehme arme, notleidende Opfer von Krieg und Gewalt, auch die Täter, die mächtigen dieser Welt ins Gebet.

00:09:30: Ich fasste nicht nur, um mir selber gesundheitlich oder meinem Aussehen einen Vorteil zu verschaffen, sondern um aufmerksamer und empathischer zu werden für die Menschen, um mich herum, um dieses Bewusstsein zu schärfen, Ich bin ein Teil dieser Schöpfung und mitverantwortlich, wie wir hier mit der Schöpfung umgehen.

00:09:55: Ganz konkret also ist mein Gebet auch fürbitte, wie viele Arme kenne ich persönlich und was tue ich, was ist mein Beitrag, vielleicht sehr klein, um die bedrohte Schöpfung zu schützen.

00:10:15: Das Fasten, eine Schule, der Solidarität.

00:10:21: Und noch einen dritten Wegweiser möchte ich kurz nennen.

00:10:25: Er weist von der Sattheit zum Hunger.

00:10:30: In den Wochen vor Ostern geht es ja auch darum, den Hunger der eigenen Seele wieder zu spüren.

00:10:36: Es heißt, Gott will sich uns nur schenken im Maße unseres Hungers nach ihm.

00:10:45: Gott will sich uns nur schenken im Maße unseres Hungers nach ihm.

00:10:53: Das bedeutet, den Satten, den Übersättigten, drängt Gott sich nicht auf.

00:11:01: Fasten kann also auch bedeuten, die Selbstverliebtheit aushungern, das aufgeblähte Ego etwas abspecken, die Übersättigung mit Lärm und Spaß und Stress, reduzieren und Platz machen, innerlichen Trümpeln, Gott Raum geben, die tiefsten Sehnsüchte, den Hunger nach seinem Wort und Sakrament nach der Begegnung mit Christus wieder Neues spüren.

00:11:34: Liebe Schwestern und Brüder, die Fastenzeit, eine Schule der Innerlichkeit, eine Schule der Solidarität und eine Glaubensschule.

00:11:45: in der wir den Hunger nach Gott wieder deutlicher und stärker verspüren sollen.

00:11:53: Und ich denke besonders dieser dritte Aspekt, der Hunger nach Gott ist entscheidend und führt uns hin zum Ziel der Fastenzeit, zur Osternacht.

00:12:05: Da werden wir ja dann hoffentlich alle mit brennenden Kerzen in der Hand Unser Taufersprechen erneuern und wieder neu bekennen und sagen, ich wieder sage dem Bösen, ich glaube an Gott.

00:12:22: Und schon heute, am Anfang der österlichen Buszeit, wird uns eine Frage gestellt, so wie in der Osternacht, wie das sagst du, glaubst du.

00:12:33: Denn wenn es wirklich stimmt, dass Gott sich uns in dem Maße schenken will, indem wir hungern, nach ihm, dann lautet die entscheidende Frage in dieser Fastenzeit, verspürst du Hunger nach Gott?

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