Predigt von Josef Grünwidl zu Fronleichnam (19. Juni 2025)
Shownotes
Predigt des Apostolischen Administrators Josef Grünwidl zu Fronleichnam am 19. Juni 2025.
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00:00:00: Liebe Schwestern und Brüder, steht in Ihrem Feiertext auch predigt, Dr.
00:00:04: Christoph Kardinal Schönborn.
00:00:07: Da muss ich Sie leider enttäuschen.
00:00:08: Sie müssen heute mit mir vorliebt nehmen.
00:00:13: Viele Menschen folgen Jesus.
00:00:15: Sie sind müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben, hungrig und durstig.
00:00:20: Und er sagt zu den Aposteln, lasst die Leute sich setzen.
00:00:25: Wahrscheinlich geht es einigen, die hier versammelt sind, jetzt auch so ähnlich und wir können das mitfüllen.
00:00:31: Das Wunder der Brotvermehrung hat sich nicht im Tempel von Jerusalem und auch nicht in einer Synagoge, sondern unter freiem Himmel ereignet.
00:00:41: Und das ist ja auch das Besondere am von Leichnamsfest.
00:00:45: Wir haben Christus in der Gestalt des Brotes aus dem Steffansturm herausgetragen.
00:00:50: Wir gehen durch die Fußgängerzone, durch Gassen der Innenstadt, betend und singend.
00:00:56: Wir stellen auf öffentlichen Plätzen Altäre auf.
00:01:00: Die ganze Schöpfung wird heute in den Gottesdienst mit hereingedommen.
00:01:07: Gestern, liebe Schwestern und Brüder, waren es zehn Jahre, dass Papst Franziskus sein Rundschreiben laut Artusie veröffentlicht und in beispielloser Deutlichkeit die ökologischen und sozialen Missstände unserer Zeit aufgezeigt hat.
00:01:25: Für das Überleben der Menschheit hat Babs Franziskus nur eine Möglichkeit gesehen, die ökologische Umkehr.
00:01:34: Und der freiem Himmel, verbunden mit Gottes Schöpfung, feiern wir von Leichnam.
00:01:40: Wir bitten heute bei jedem Altar auch um Gottes Segen, für die Menschen, für die Früchte der Erde.
00:01:48: Wir bitten darum, dass unsere Erde auch für kommende Generationen ein lebenswerter Raum bleibt.
00:01:57: Ein zweiter Gedanke.
00:01:59: Jesus hat die hungernden Menschen aufgefordert, Mahlgemeinschaften zu bilden und sich ins Gras zu setzen.
00:02:06: Und ich finde das bemerkenswert, denn zu diesem Augenblick war ein Abendessen überhaupt noch nicht in Aussicht.
00:02:17: Und es gab zu diesem Zeitpunkt fünf Brote und zwei Fische.
00:02:22: Kann es sein, dass es diese Bereitschaft zum Miteinander grundsätzlich und im Vorhinein immer braucht, dass diese Gemeinschaft eine Voraussetzung war für das Wunder, das sich danach ereignet hat?
00:02:40: Gemeinsamessen?
00:02:42: Als Familie mit lieben Menschen täglich am Tisch versammelt sein.
00:02:46: Früher war das eine Selbstverständlichkeit.
00:02:49: Heute ist es für sehr viele Familien und Gemeinschaften fast unmöglich.
00:02:55: Und es kommt nur selten vor.
00:02:58: Dreiundvierzig Prozent aller Haushalte in Wien sind mittlerweile Single-Haushalte.
00:03:04: Tendenz steigern.
00:03:06: Manche tun das, weil sie das bewusst zu wollen.
00:03:09: Aber es sind sicher auch Menschen darunter, die leiden, weil sie einsam sind.
00:03:15: Vereinsamung ist längst nicht bloß mehr ein Thema für alte und kranke Menschen, sondern zunehmend auch für junge Erwachsene und für Jugendliche.
00:03:26: Wenn ich an die tragischen Ereignisse in Graz denke, wie notwendig, brauchen die Familien der Opfer jetzt Menschen, die ihnen zuhören, die sie einladen, sich mit ihnen an einen Tisch setzen, sie in den Arm nehmen und und mit ihnen Gemeinschaft halten.
00:03:44: Liebe Schwestern und Brüder, auch das ist Frauenleichnam.
00:03:49: Dienst am Leib des Herrn.
00:03:52: Die traurigen Trösten, den Leitenden beistehen, Gemeinschaft pflegen und einander nicht im Stich lassen.
00:04:01: Ich bin überzeugt, Brotteilen, Zeit und Leben, Freude und Leidteilen ist für uns existenziell wichtig, damit wir nicht zählisch verhungern.
00:04:12: oder ausbrennen.
00:04:14: Es muss nicht immer ein gemeinsames Essen sein, aber immer ist die grundsätzliche Bereitschaft zum Miteinander, die Voraussetzung dafür, dass sich das Wunder der Vermehrung ereignen kann.
00:04:30: Mehr Verständnis füreinander, mehr Wissen darüber, was die andere und den anderen bewegt, mehr Dialog, mehr Empathie und Solidarität.
00:04:41: Dieses Vermehrungswunder braucht unsere Gesellschaft notwendig und Jesus will es uns schenken.
00:04:50: Und noch ein letzter Gedanke.
00:04:53: Wir hören es täglich.
00:04:55: Unsere Welt ist verfeindet und zerrissen, Kriege toben.
00:05:01: Wir sind meilenweit entfernt von dem, was die Bibel als Ziel der Geschichte Gottes mit uns Menschen im Bild vom großen Festmahl.
00:05:11: an dem alle Völker und Nationen teilnehmen und in Frieden zusammen sind, von dieser Vision sind wir weit entfernt.
00:05:21: Und im Gegensatz zur biblischen Brotvermehrung erleben wir eine himmelschreiend ungerechte Brotverminderung.
00:05:30: Einige wenige reißen die zwölf vollen Körper an sich und für hungrige Massen bleiben fünf Brote und zwei Fische.
00:05:40: Was ist das für so viele?
00:05:43: Was können wir tun?
00:05:44: Ist es nicht aussichtslos?
00:05:46: Alles, was wir an Hilfsmaßnahmen versuchen?
00:05:51: Liebe Schwestern und Brüder, ich denke, wir brauchen ganz dringend unsere christlichen Feste.
00:05:57: Wir brauchen die Sonnen- und Feiertage, die uns immer wieder daran erinnern.
00:06:02: Wir dürfen uns mit den Gegebenheiten nicht abfinden.
00:06:06: Es sind Feste der Gemeinschaft und Feste der Hoffnung, die einen Horizont eröffnen und den Alltagstrott und die Abgestumpftheit unterbrechen und überwinden.
00:06:19: Im letzten verweist uns jeder Sonntag und jeder christliche Feiertag auf Jesus Christus und auf das Beispiel, das er uns gegeben hat, in der Brotvermehrung beim letzten Abendmahl In jeder Eucharistie, da hören wir und tun wir, was Jesus gesagt und getan hat.
00:06:38: Er nahm das Brot, er dankte und teilte aus.
00:06:44: Dieser Dreischritt, nehmen, danken und teilen, soll uns in Fleisch und Blut übergehen.
00:06:53: Ich kenne kein Programm, keine Strategie und keine Lebensphilosophie.
00:06:59: die besser geeignet wäre, mich selbst, die Menschen und damit auch die Welt zum Guten zu verändern als dieses Beispiel Jesu.
00:07:09: Nehmen, danken, teilen.
00:07:13: Wenn uns dieser Dreischritt Jesu Sonntag für Sonntag immer vertrauter wird, dann fangen wir an, von Leichnam zu leben.
00:07:23: Dann ereignet sich das Wunder der Wandlung nicht nur am Altar, dann begegnet uns das Wunder der Brotvermehrung nicht nur im Evangelium, sondern im eigenen Leben.
00:07:35: Dann verwandelt uns Christus und macht uns zum Brot füreinander.
00:07:43: Amen.
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