Predigt von Josef Grünwidl zu Christi Himmelfahrt (29. Mai 2025)
Shownotes
Predigt des Apostolischen Administrators Josef Grünwidl zu Christi Himmelfahrt, am 29. Mai 2025.
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00:00:00: Lieber Herr Domprobs, lieber Herr Domfahrer, liebe Diakone, liebe Seminaristen aus dem Wiener Priester Seminar, liebe Ministrantinnen und Ministranten aus St.
00:00:10: Geilm, liebe Schwestern und Brüder, die Osterkerze im Dom war in der Osternacht mindestens, mindestens doppelt so groß und sie ist schon ziemlich heruntergebrannt.
00:00:23: Aber auch wenn die Osterkerze hier nicht mehr brennt, der Nachtpfingsten, Ostern, Und die Osterhoffnung und Osterfreude soll unser ganzes Leben prägen.
00:00:35: Und auch das heutige Fest Christi Himmelfahrt sehe ich noch einmal als so eine Bestärkung, als ein zweites Osterfest mit der Osterbotschaft.
00:00:46: Der Auferstandene Herr ist der Erhöhte Herr.
00:00:51: Ich möchte mich mit drei Impulsen zum Nachdenken diesen Festgeheimnis von Christi Himmelfahrt nähern.
00:00:59: Und zwar geht es heute um doppelte Spuren, um das doppelte Echo und das doppelte Credo.
00:01:07: Beginnen wir mit den doppelten Spuren.
00:01:12: Zum fixen Besuchsprogramm für jede Israel-Reise gehört auch der Gang auf den Ölberg.
00:01:18: Und dort am Ölberg Von dort aus ist der Tradition nach Jesus in den Himmel aufgefahren.
00:01:26: Am Ölberg steht heute eine kleine Kreuzfahrerkabelle.
00:01:30: Seit dem zwölften Jahrhundert ist sie im muslimischen Besitz.
00:01:34: Dieser Rundbau ist ihnen ganz leer.
00:01:37: Man sieht aber im Boden einen Felsen, einen Stein, der von Marmorplatten eingerahmt ist.
00:01:45: Und dort heißt es, wenn man genau schaut, sieht man den Fußabdruck des Auferstandenen, den er bei seiner Himmelfahrt hinterlassen hat.
00:01:57: Ich muss gestehen, ich glaube nicht.
00:02:01: dass der auferstandene irgendwelche Abdrücke, DNA-Spuren oder sonstige Relikte hier auf Erden hinterlassen hat.
00:02:10: Himmelfahrt ist ja kein physikalischer Vorgang, wie ein Space Shuttle startet oder ein Satellit in die Umlaufbahn geschossen wird.
00:02:21: Wenn die Bibel von Himmel und Himmelfahrt redet, geht es nicht um eine Ortsangabe, sondern immer um eine Beziehungswirklichkeit.
00:02:30: Im Himmel sein heißt nicht irgendwo da oben sein, sondern bei Gott, in Gott sein.
00:02:39: Darum hat schon der Heilige Augustinus die Frage, wo ist denn der Himmel?
00:02:45: so beantwortet?
00:02:47: Gott selbst ist dieser Ort.
00:02:52: Gott selbst ist der Himmel.
00:02:55: Dass man also am Ölberg die Fußabdrücke des Auferstandenen sehen kann, bezweifle ich sehr.
00:03:02: Aber viel wichtiger sind die Spuren, die Jesus hier auf Erden hinterlassen hat.
00:03:09: Seine Worte und Taten, sein Leben, sein Kreuzestot, seine Auferstehung, so wie es die Evangelien überliefern.
00:03:20: Das sind die entscheidenden Spuren.
00:03:23: Und wer versucht, in diesen Spuren zu gehen, diesen Spuren zu folgen, der lebt österlich und der geht auch seiner Vollendung und dem Himmel, dem Leben mit und bei Gott entgegen.
00:03:40: Ein zweiter Gedanke zum doppelten Echo.
00:03:45: Christi Himmelfahrt kommt mir vor wie ein Echo auf Ostern.
00:03:51: Der heutige Feiertag bringt also eine neue Dimension der Auferstehung zum Klingen.
00:03:57: Aufgefahren in den Himmel ersitzt zu rechten Gottes des Vaters.
00:04:03: So wird es in Credo in unserem Glaubensbekenntnis formuliert.
00:04:07: Der auferweckte Christus ist der Sieger, erhöht beim Vater.
00:04:13: Und auch die Himmelfahrt Jesu hat noch einmal eine Konsequenz, auf die ich Sie gern heute aufmerksam machen möchte.
00:04:22: Im Tagesgebet hat es geheißen, Gott in der Himmelfahrt Deines Sohnes hast Du den Menschen erhöht.
00:04:34: Ich finde das sehr spannend.
00:04:35: In der Himmelfahrt Deines Sohnes hat Gott den Menschen erhöht.
00:04:41: Also auch die menschliche Natur Jesu, aber auch uns Menschen betrifft die Himmelfahrt und erhöht uns.
00:04:49: Und dieser Aspekt scheint mir in unserer Zeit, wo Menschen oft klein gemacht, niedergemacht werden, besonders wichtig zu sein.
00:04:59: Der Mensch als Opfer, als feindliches Objekt, das man vernichten muss, der Mensch als Arbeitskraft und reiner Kostenfaktor, das menschliche Erbgut, als Forschungsmaterial, ein Kind.
00:05:16: als Schadensfall für die Familie, alte und kranke Menschen, als Zumutung und als Belastung in unserer leistungsorientierten Gesellschaft, um nur einige solche verzerrte und verkürzte Menschenbilder zu nennen.
00:05:34: Im Blick auf den Auferwegten und erhöhten Christus erkennen wir die Größe und die Würde des Menschen.
00:05:43: In der Himmelfahrt Deines Sohnes hast du Gott den Menschen erhöht und groß gemacht.
00:05:52: Liebe Schwestern und Brüder, auch wenn Empathie oder auf Englisch Wokeness und wenn Nächstenliebe in unserer Zeit es oft nicht sehr leicht haben und wenn uns von verschiedenen Seiten eingeredet wird, schau doch nur auf dich selber, dann lebst du viel freier und glücklicher.
00:06:12: Wir alle wissen, Menschenwürde Das darf nicht das Privileg einiger Außerwählter sein.
00:06:20: Und auch Christsein darf sich nicht darauf beschränken, dass wir Ostern oder Christi Himmelfahrt in der Kirche feiern.
00:06:28: Es braucht ein österliches Echo in unserem Leben.
00:06:32: Und dieses Echo klingt immer dann besonders glaubwürdig, wenn wir versuchen, die Liebe zu leben.
00:06:40: Nächsten Liebe und Hilfsbereitschaft für Arme, Kranke, für Fremde und Schutzbedürftige und Minderheiten, deren Würde angetastet und verletzt wird, die klein gemacht und an den Rand getränkt werden.
00:06:59: In der Himmelfahrt Seines Sohnes hat Gott den Menschen erhöht.
00:07:04: Das ist für uns eine Zusage und ein Versprechen, eine Verheißung, zugleich aber auch Auftrag und Sendung.
00:07:15: Und nach den doppelten Spuren und dem doppelten Echo schließlich noch das doppelte Credo.
00:07:22: Wir hören heute eine Messe, die Mozart im Jahr seventeenhundertachtzig in Salzburg für den Oster-Sondag komponiert hat.
00:07:31: Es ist die letzte vollständige Messvertonung von Mozart.
00:07:36: Alles, was er später versucht hat, ist fragmentgeblieben.
00:07:40: Und bemerkenswert ist, Für diese Misser Solemnis hat Mozart das Credo zweimal vertont.
00:07:50: Fast bis zum Ende, fast den ganzen Text des Credos, er war schon fast am Ende und da hat er eine erste Version verworfen und noch einmal angefangen, ganz neu und anders diesen langen Credotext zu komponieren.
00:08:08: Warum er das getan hat, wissen wir nicht, aber offensichtlich war Mozart mit seiner ersten Fassung nicht zufrieden.
00:08:17: Ich sehe darin einen Hinweis für unseren Glaubensweg.
00:08:22: Ostern und Himmelfahrt, die Auferstehung und Erhöhung Christi, die Erhöhung des Menschen, damit sind wir nie fertig.
00:08:33: Ein Leben lang versuchen wir in diesen Glauben hineinzuwachsen, sodass unsere ganze Existenz österlich geprägt wird.
00:08:43: die doppelten Spuren, das doppelte Echo und das doppelte Credo.
00:08:50: Liebe Schwestern und Brüder, solange wir hier auf der Erde sind, gehen wir in den Spuren des Auferstandenen und erhöhten Christus und wir folgen seiner Spur mit einem österlichen Echo im Herzen, das uns Mut macht und Kraft gibt.
00:09:09: im Einsatz für die Würde des Menschen, für Gerechtigkeit und Frieden.
00:09:15: Und nicht bloß zweimal, so wie Mozart in der Misser Solemnis, die wir heute hören, sondern täglich neu sind wir eingeladen, unser ganz persönliches Glaubensbekenntnis zu formulieren und zu leben.
00:09:32: Du Gott des Lebens, du wirst mich auferwecken, du wirst mich erhöhen.
00:09:39: und vollenden.
00:09:40: Darauf vertraue ich dir, glaube ich.
00:09:45: Credo.
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