Predigt zum Palmsonntag (13. April 2025)
Shownotes
Predigt des Apostolischen Administrators Josef Grünwidl bei der Palmweihe am Graben in Wien, am 13. April 2025.
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00:00:02: Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, liebe festliche Gemeinde, wir denken heute daran, dass Jesus in Jerusalem als Friedenskönig eingezogen ist und dort im religiösen und politischen Zentrum des Landes freudig begrüßt wurde, gesegnet seit der König, der kommt im Namen des Herrn.
00:00:25: Dass endlich Frieden und Gerechtigkeit einziehen, das wünschen sich Heute unzählige Menschen in Gaza und Israel, in der Ukraine und in Russland und an vielen anderen Kriegsschauplätzen der Welt.
00:00:46: Wir alle sind in dieser Woche eingeladen, Jesus, den Friedenskönig auf seinem Weg durch die K-Woche Schritt für Schritt zu begleiten.
00:00:57: Am Gründonnerstag, am K-Freitag, in der Osternacht bis hin zur zur Jubelfeier der Auferstehung zu Ostern.
00:01:07: Mit der Beinprozession heute bringen wir zum Ausdruck, dass wir bereit sind, mitzugehen und den Herrn auf diesem Weg zu begleiten.
00:01:17: Und ich sehe für diesen Weg, für diesen österlichen Weg durch die K-Woche, drei Wegweiser.
00:01:25: Den ersten Wegweiser schenkt uns das heilige Jahr mit dem Motto, Pilger der Hoffnung.
00:01:33: Was bräuchten wir in unserer Zeit notwendiger und dringender als Hoffnung und Zuversicht?
00:01:41: Krisen, Probleme, Herausforderungen und Sorgen, vielleicht im privaten Bereich in unserem Land und auch global gesehen, gibt es ja mehr als genug.
00:01:54: Wir Christen definieren uns nicht über unsere Ängste, über Probleme oder Niederlagen.
00:02:01: Wir Christen vertrauen auch nicht Unheilspropheten oder selbsternannten Rettergestalken, sondern wir vertrauen Christus, dem Friedenskönig.
00:02:13: In der Karwoche schauen wir auf ihn, denn der Vater im Himmel durch Leid und Tod zur Osterherrlichkeit geführt hat.
00:02:24: Ostern, das Fest der Auferstehung des Herrn, soll für uns und für alle Menschen ein Fest der Hoffnung werden.
00:02:34: Ein zweiter österlicher Wegweiser zeigt in Richtung Frieden.
00:02:38: Und es heißt, der Friede beginnt im eigenen Haus.
00:02:42: Also bei uns in der Kirche.
00:02:44: Hoffentlich ist das so.
00:02:46: Heuer haben wir eine ganz besondere Situation zu Ostern.
00:02:51: Aufgrund der verschiedenen Berechnungsmethoden des Ostertermins ist es fast nie möglich, dass alle Christen gemeinsam Ostern feiern.
00:03:01: Heuer trifft es zu, dass die Ost- und die Westkirche, dass alle Getauften an einem Tag Ostern die Auferstehung des Herrn feiern.
00:03:13: Und dieses gemeinsame Osterfest aller Christlichen Kirchen soll ein starkes Signal für Frieden und Einheit sein.
00:03:24: Dieser zweite Osterwegweiser erinnert uns auch, die Zukunft gehört nicht den Spaltern und nicht den Machtmenschen, die auf Waffengewalt vertrauen und nicht denen, die mit populistischen Reden das Heil versprechen.
00:03:42: Nein, die Zukunft gehört den Friedenstiftern, denen, die sich für Dialog und Verständigung und für gewaltlose Konfliktlösungen einsetzen.
00:03:55: Zugegeben, das ist ein recht mühsamer, anstrengender Weg, wo man auch Ausdauer und Geduld braucht, aber das nur dieser Weg zum Ziel führt, hat Gott uns gezeigt im Weg seines Sohnes.
00:04:11: Jesus ist in Jerusalem nicht auf einem Schlachtross als Kriegsherr, sondern auf einem Esel.
00:04:18: als Friedenskönig eingezogen.
00:04:21: Nicht mit Waffengewalt, sondern mit der Bereitschaft, sein Leben hinzugeben.
00:04:28: Sein Beispiel möge hasserfüllte und verfeindete Menschen nachdenklich machen und zur Umkehr bewegen.
00:04:39: Und schließlich noch ein dritter österlicher Wegweiser am Beginn der Karwoche.
00:04:44: Er zeigt in Richtung Steffansdom.
00:04:50: Vor achtzig Jahren, vom elften bis zum treizehnten April, nineteenhundertfünfundvierzig, stand der Dom in Brand.
00:05:01: Heute sind es auf den Tag genau achtzig Jahre, dass die Pummerin abgestürzt ist und am Boden zerschellt ist.
00:05:12: Am Tag danach hat dann eine in Folge des Dachbrandes einstürzende Stützmauer das Gewölbe des Domes durchschlagen.
00:05:24: Das Feuer konnte sich im Inneren ausbreiten und hat verheerende Schäden angerichtet.
00:05:32: Der Dom, das Herz von Wien, war vor achtzig Jahren noch in den letzten Tagen des Kriegs zu einer Brandruine geworden.
00:05:44: In einem beeindruckenden nationalen Krafttag schafften es die Menschen damals, unter schwierigsten Bedingungen in der Nachkriegszeit, den Dom wieder aufzubauen.
00:05:57: Alle Bundesländer, einige Großspender, aber vor allem viele, viele sogenannte kleine Leute, haben mit ihren Spenden und ihrer Hilfe dazu beigetragen, zum Beispiel auch mit der berühmt gewordenen Dachziegelaktion des Domes.
00:06:15: Manche haben sogar ihre goldenen Ehringe oder ihren Familienschmuck gespendet für den Dom.
00:06:25: Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir jetzt in wenigen Minuten vom Graben einbiegen in Richtung Steffansplatz und wenn der Steffansdom vor uns in voller Pracht erscheint und da steht, dann denken wir daran, dieser Dom ist ein steingewordener Zeuge der Hoffnung und der Gemeinschaft des Friedens und der Auferstehung.
00:06:51: Der wiederaufgebaute Dom erinnert zugleich daran, dass es immer, dass es immer auf jede und jeden ankommt und dass wir nur gemeinsam und miteinander Großes schaffen können.
00:07:08: Der hohe Turm, der wie ein riesiger Zeigefinger in den Himmel weist, richtet unseren Blick auf Gott.
00:07:16: Er hat uns im Schicksal seines Sohnes gezeigt, dass es nur einen einzigen Weg gibt, die Welt zum Guten, zum Guten zu verändern.
00:07:27: Es ist der Weg der Liebe, es ist der Weg der Solidarität mit den Schwachen und Armen.
00:07:34: Diesen Weg ist Jesus für uns gegangen.
00:07:39: Wir alle sind in der Karwoche eingeladen, den Herrn auf diesem Weg zu begleiten.
00:07:46: Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn, haben die Menschen damals beim Einzug Jesu in Jerusalem begeistert gerufen.
00:07:56: Ich füge hinzu, Gesegnet sind alle, die heute in der Spur des Friedenskönigs österliche Wege gehen und zum Segen werden für die Welt.
00:08:12: Amen.
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